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Published on November 4th, 2015 | by Manuel Simbürger

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ANTM 2015: Wieso die Show nicht zünden will

Vergangenes Jahr war „Austrias Next Topmodel“ (Fans und Kritiker und Hassliebe-Zuschauer sagen auch: ANTM) echt cool. Das lag vielleicht daran, weil die Show zu einem Zeitpunkt kam, als die große Schwester „Germany’s Next Topmodel“ (erraten: GNTM) nur noch eine Karikatur ihrer selbst war. Endlich bewies man auch im deutschsprachigen Raum Mut und ließ auch fesche Burschen auf den Laufsteg, was frischen Wind in die Model-Show-Welt brachte. ANTM ist übrigens, u.a. neben „Americas Next Topmodel“ (zur Verwirrung: ANTM), eine der wenigen Shows, die auch männliche Models ranlassen. Man ist sich wohl endlich bewusst geworden, dass vorm TV-Bildschirm nicht nur Mädels, sondern auch schwule Jungs mit großen Augen sitzen und von der Glamour-Fashion-Welt träumen.

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Woran es hapert

Wie auch immer: Die sechste Ausgabe von ANTM (die sich anfühlte wie die erste Staffel) überzeugte mit Witz, neuen Ideen, unterhaltsamen Challenges und vor allem interessanten KandidatInnnen – nämlich ein bunter Mix aus bekannten und unbekannten Gesichtern, männlich und androgyn, erfahren und grünschnäbelig, sympathisch und ungustelig, Model-Potenzial und … naja, weniger Model-Potenzial. Und gewonnen hat auch der Richtige: Oliver Stummvoll konnte sich zum Versace-Gesicht hochmmodeln und ist somit einer der erfolgreiche(re)n ANTM-Gewinner (nur reden, das kann der Gute immer noch nicht).

Nach so einem erfolgreichen „Boys & Girls“-Einstand, wie es marketing-reißerisch bei Muttersender Puls 4 heißt, haben wir uns also alle sehr auf die neue, siebente Staffel gefreut. Aber schon bei der ersten Folge merkten wir: Es ist nicht mehr dasselbe. Irgendwie ist da die Luft raus. Die Quoten sind mittlerweile auch im Keller – und, das muss an dieser Stelle ehrlich gesagt werden: Irgendwie auch verständlich.

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Ich hab mal die 5 wichtigsten Gründe aufgelistet, wieso ANTM diese Staffel einfach nicht überzeugen kann – oder will:

  1. Farblose Kandidaten

Faszinierten in der vergangenen Staffel noch Kandidaten wie Oliver oder Manuela mit Topmodel-Qualitäten, tummeln sich dieses Jahr zwar fesche, aber vor allem Möchtegern-Models vor der Kamera. Jungs und Mädels, die sich – bis auf wenige Ausnahmen – zwar in einem Quelle-Katalog (oder einer Hofer-Kampagne) gut machen, auf internationalen Laufstegen aber sang- und klanglos untergehen. Aber nicht nur das: Die meisten der KandidatInnen sind schlicht langweilig, wirken bei Interviews steif oder fallen bei der Ausstrahlung komplett durch den Raster (Gloria, anyone?!). Da lobt man sich den bodenständigen Macho Maximiliano oder die Zicke Melisa, die wenigstens etwas Schwung in das Model-Treiben bringen. Selbst das Pärchen Bianca und Patrick brachten nicht die erhoffte (Liebes-)Dramatik. Und Rampensau Lukas? Der schmiss nach nur wenigen Wochen selbst das Handtuch. Es schien, als ob er sich langweilen würde.

  1. Überzeichnete Dramatik

Bei solch Durchschnitts-Kandidaten kann man das den ANTM-Machern fast nicht vorwerfen, nerven tut’s trotzdem: die erzwungene und bei weitem überzeichnete Dramatik, die in jeder Folge Einzug findet. Nichtssagende Blicke von Bianca und Patrick werden als Liebeszwist interpretiert – selbst dann, wenn die beiden vor der Kamera unisono betonen, dass von Streit keine Rede sei. Macht nix, der Off-Kommentator versteht’s trotzdem anders und findet eine ironische Bemerkung zum Nicht-Geschehen. Melisa wird derart zum Show-Biest hochstilisiert, dass man sich fragt, ob eine reale Person tatsächlich derart unsympathisch sein kann. Ein Stromausfall wird dramatisch in die Länge gezogen und Models, die mit nassen Haaren 30 Minuten auf ihr Styling warten müssen, als dramatisches End-Of-The-World-Szenario dargestellt. Da muss man eigentlich schon manchmal schmunzeln. Wären da nicht die ewigen Rückblenden, die uns dieselbe Szene gefühlte fünfmal in fünf Minuten vorführen. Hier wäre weniger eindeutig mehr!

  1. Unmotivierte Jury

Ja, Melanie Scherieau ist durch und durch sympathisch, bodenständig und ganz und gar eine Anti-Heidi Klum. Das machte Spaß – zumindest anfangs. Denn zusammen mit dem farblosen Michael Urban – angeblich eines DER bekanntesten österreichischen Männermodels – wirkt sie dieses Jahr wie ein etwas gelangweiltes Ehepaar, das routiniert den gewünschten Text runterleiert und – was noch schlimmer ist – immer wieder genervt von den KandidatInnen mit den Augen rollt. Da ist scheinbar nicht nur das Publikum von den Nachwuchs-Models enttäuscht! Urban fiel letzte Staffel zwar noch mit unguten (Macho-)Sprüchen auf – das war aber wenigstens unterhaltsamer als die passive Beiwagerl-Rolle, die er heuer einnimmt. Und Papis Loveday?! Der ist mit seinen vollkommen falsch motivierten „Fabolous!“-Auszuckungen mittlerweile nichts mehr als eine Karikatur seiner selbst. Ach ja, Bianca Schwarzjirg gibt’s auch noch. Ähm … ja.

  1. Fehlender Sexappeal

Um nochmal auf Punkt 1 zurückzukommen: Klar, die Burschen sind fesch. Bei einer Modelshow erwartet man sich aber Augenweiden- und vor allem Sexappeal-Potenzial, der dieses Jahr beinahe komplett fehlt. Bei den Jungs scheint man sich auf den Netten-Bub-Von-Nebenan-Charme ohne jegliche Ecken und Kanten fokussiert zu haben – vielleicht, um von Anfang an sicherzustellen, dass diesmal ein Mädel die aktuelle Staffel gewinnt? Herzensbrecher-Potenzial hat neben Patrick eigentlich nur der Italiener Maximiliano: Der ist zwar vom Model-Sein so weit entfernt wie Dornröschen von einer Party-Braut (oder so, ich hab’s nicht so mit Vergleichen), ist aber der einzige Bursche in der Show, der Männlichkeit ausstrahlt und so wohl die meisten Zuseherinnen (und Zuseher) um den Verstand bringt (ob positiv oder negativ, das lasse ich mal dahingestellt). Wohl der einzige Grund, wieso er immer noch mitmischen darf. Stört uns nicht. Pep kann ANTM 2015 mehr als gebrauchen.

Bilder: (c) Puls 4 / Gerry Frank

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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