Music conchita-wurst-my-lights-licht-ins-dunkel

Published on Oktober 31st, 2014 | by Manuel Simbürger

0

Conchita Wurst: Neue Single “My lights”

Conchita Wurst reist gerade um die Welt – das tut sie nämlich seit ihrem legendären Sieg beim ESC 2014, weil die Welt die Wurst halt liebt. Conchita tritt auf Festivals auf, in TV-Shows, in Radiosendungen, bei politischen Anlässen, ab 9. November gar im legendären Pariser Variete-Club “Crazy Horses” als allererste Travestiekünstlerin.

Das ist alles toll, löblich gar, und wir sind stolz auf unsere österreichische Wurst. Nur schwingt da auch immer ein bisserl ein bitterer Beigeschmack mit, wenn Conchita irgendwo auftritt, weil: Die Gute hat nur drei Songs. Und mit einer Setlist aus drei Songs kommt man auch mit dem kultigsten Bart und dem einnehmendsten Charme nicht weit. Neben der Self-Empowerment-Hymne “Rise like a Phoenix” (die Conchita aus Not manchmal auch gleich zweimal am Abend anstimmt) schmettert sie “That’s what I am” (immer noch eine Riesen-Nummer und mein persönlicher Wurst-Favourite) und die Titanic-Schnulze “My heart will go on”. Was sie bei der Auswahl des letzten Songs geritten hat, weiß man nicht so recht. Wie auch immer: Damit Conchita nicht zur musikalischen Lachnummer wird (man will ja nicht ewig fremde Songs covern und ihren “Die Große Chance”-Hit “Unbreakable” scheint sie vehement zu verschmähen) und sie ihre musikalische Bandbreite beweisen kann, braucht’s also dringend einen neuen Hit.

Das warten auf den “Phoenix”-Nachfolger hat nun endlich ein Ende – auch wenn das Ganze etwas halbgar ist: Denn Conchitas neuer Song “My Lights” ist nicht ihre offizielle zweite Single, sondern “nur” eine Charity-Single im Rahmen von “Licht ins Dunkel” und natürlich passend zur Weihnachtszeit. Heißt: Der Reinerlös von “My Lights” kommt “Licht ins Dunkel” zu gute, immerhin Österreichs größter humanitärer Hilfsverein.

Weil das alles löblich ist und der guten Sache dient, darf und sollte man auch drüber hinwegsehen, dass “My Lights” nichts mehr ist als eine weitere abgedroschene Celine Dion-Schmalz-Ballade, die leider nicht mal zulässt, Conchitas Stimmvolumen in seiner ganzen Bandbreite glänzen zu lassen. Der Song ist nett und hat – und darum geht’s ja hier – eine positive Botschaft, lässt aber an Ohrwurm-Potenzial vermissen und ist schnell wieder vergessen. Wurst-Fans werden trotzdem ihre Freude daran haben, bleibt Conchita hier doch ihrem Markenzeichen der großen Liebesballaden bei und lässt im Video sogar nochmals ihren großen Moment beim Song Contest Revue passieren.

Apropos Video: Eine interessante Wahl, für die man sich hier entschieden hat. Conchita als strahlendes, wärmendes, Kraft-gebendes Licht für all die Menschen da draußen: Sei es ein alter Mann, ein glückliches Pärchen, eine junge Ballettänzerin, ein Sportler, eine dunkelhäutige Frau oder ein kleines Mädchen, das sich glücklich im Spiegel betrachtet. Conchita beschützt sie alle und sie alle haben die Kraft in sich, genauso strahlen zu können, genauso Großes erreichen zu können wie die bärtige Lady. Damit wird nicht nur der karitative Gedanke hinter dem Song unterstrichen, sondern Conchita auch unaufgeregt, aber doch deutlich in der Mitte der Gesellschaft platziert. Das ist toll. Schade nur, dass im Charity-Video kein homosexuelles Paar oder Travestiekünstler (sieht man von Wurst-Intimus Tamara Mascara ab) vorkommen darf – schließlich eine Gesellschaftsgruppe, für die sich Conchita seit Beginn an so stark einsetzt. Es scheint, als hätte man hier sehr darauf geachtet, den etwaigen Spende-Zahler nicht zu vertreiben.

Bleibt als Conchita Wurst-Fan nur zu hoffen, dass die Sängerin mit ihrem Debutalbum, das 2015 erscheint, einen mutigeren Schritt wagt als mit “My Lights”, ausgetretene Wege verlässt und zeigt, dass sie mehr ist als die Schmonzetten-Queen. Wir dürfen aber tatsächlich guter Dinge sein, denn am 8.11. präsentiert Conchita bei der vorletzten “Wetten, dass….?!”-Ausgabe in Graz ihre – wirklich – neue Single “Heroes”. Und die soll nach ihren eigenen Aussagen ganz anders sein als alles, was wir von Conchita bisher gehört haben. “Ich probiere ein ganz neues Genre aus”, so Conchita gegenüber der APA. “Ich war selbst überrascht, dass ich so cool klingen kann.” Aha. Klingt für mich bisschen danach, als hätte man Shirley Bessey gegen Disco-Donna Summer getauscht. Oder vielleicht ist das auch reines Wunschdenken. Man darf auf jeden Fall gespannt sein.

Tags: , , , ,


About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


− 4 = zwei

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Back to Top ↑

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
DanielRadcliffe1
Daniel Radcliffe: MC Harry Potter

Die ehemaligen "Harry Potter"-Stars mausern sich mehr und mehr als die derzeit coolsten Säue Hollywoods. Und wenn ich von "Harry...

Schließen