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Published on Juni 12th, 2013 | by Manuel Simbürger

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Feuchtgebiete: Bald in den Kinos!

“Wer weiß schon, wie die benutzten Tampons von anderen Mädchen aussehen? Na, gut. Wer will das überhaupt wissen? Außer mir …”

Lasst uns die Frage ein bisserl anders stellen: Wer will wissen, dass es Charlotte Roche wissen will, wie benutzte Tampons von anderen Mädchen aussehen? Und wer will das auch noch im Kino sehen?

Zumindest auf die erste Frage gibt’s eine klare Antwort: Sehr viele. “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche war zumindest in Deutschland und Österreich 2008 das, was 2012 “Shades of Grey” war – nur viel grausiger und, seien wir ehrlich, viel skandalöser (aber auch witziger). Platz 1 in den deutschen und österreichischen Bücher-Charts, Roche tingelte von Talkshow zu Talkshow, von Lesung zu Lesung. Jeder redete über die expliziten Sex- und Hygiene-Szenen des Buches, jeder war angeekelt, aber auch gleichsam fasziniert. Wie beim Dschungelcamp, irgendwie.
Wie dem auch sei: Das provokant-poppige Portrait einer jungen Frau, die versucht, ihre Lebensgier zu stillen und ihren Platz im Leben zu finden, wurde über 2,5 Millionen Mal verkauft. Die Roche dürfte also den Nerz der (damaligen?) Zeit getroffen haben.

Das Ekelerlebnis erreicht nun die nächste Stufe: Am 22. August 2013 kommt „Feuchtgebiete“ in die Kinos. Protagonistin des Films ist die 18-Jährige Helen Memel (Carla Juri), aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Alles beginnt mit einer Intimrasur, die nicht so ganz hingehauen hat, weshalb das Mädel jetzt im Krankenhaus auf eine Operation wartet, die sie von ihrer Analfissur und ihren Hämorrhoiden befreien soll. Und weil man ja vor einer OP nichts anderes zu tun hat, erzählt Helen von ihren ersten Erfahrungen mit Sex und macht auch vor Themen wie Menstruation, Selbstbefriedigung und Sperma nicht halt. Nebenbei verliebt sie sich noch in den Krankenpfleger Robin (Christoph Letkowski) und versucht, ihre geschiedenen Eltern wieder zusammen zu bringen.

„Feuchtgebiete“ wurde vom 24. September bis 16. November 2012 an 37 Drehtagen in Berlin und auf Mallorca gedreht – unter der Regie von Shootingstar David F. Wnendt („Kriegerin“) und produziert vom vierfachen Deutschen Filmpreis-Gewinner Peter Rommel.

Dass der Film ein Renner werden wird, davon kann man ausgehen. Weil jeder aus Neugierde ins Kino stürmen wird, weil jeder wissen will: Überschreitet der Film genauso die Ekelgrenze wie die literarische Vorgabe? Man kann auch schon erahnen, dass die Kritiken vernichtend sein werden, ähnlich wie beim Buch damals. Aber das hat ja dem Erfolg bekanntlich keinen Abbruch getan, im Gegenteil. Man darf also gespannt sein. Und schon jetzt üben, wie man sich öffentlich betont desinteressiert gibt, heimlich aber mit seiner Person des Vertrauens in der hintersten Ecke des Kinos aus dem Lachen und Staunen nicht herauskommt.

Ähnlich wie beim Dschungelcamp halt.

  1. Einen ausführlicheren (und aussagekräftigeren) Trailer gibt’s hier:
  1. http://www.moviepilot.de/news/erster-teaser-und-clips-zum-feuchtgebiete-film-122713#

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



One Response to Feuchtgebiete: Bald in den Kinos!

  1. Nach einigen Textpassagen in der Berichterstattung hatte ich seinerzeit beschlossen, das Buch zu ignorieren. Sofern ich zur Pressevorführung des Films eingeladen werde, muss ich mir noch überlegen, ob ich da wirklich hin will. Mein Beritt ist das nicht gerade. Als Skandalbuch hab’ ich den Schmöker nie empfunden – ein paar vermeintlich originelle Schlüpfrigkeiten und Ekelsequenzen mit dem Ziel, einen Medienhype zu schaffen, machen noch keinen Skandal aus. Skandalös war höchstens, dass es geklappt hat.

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