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Published on Februar 17th, 2015 | by Manuel Simbürger

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So hat sich Marty McFly 2015 vorgestellt

Könnt ihr euch noch erinnern? Damals, als wir Kinder waren, also vor ungefähr 173 Jahren, da stellte man sich das neue Jahrtausend sehr düster vor. 2000? Das kann’s ja gar nicht geben! Vor dem Jahreswechsel vor 15 (!) Jahren glaubte man wirklich und tatsächlich, die Welt geht unter. Ich, unschuldig und naiv, wie ich nun mal war, hatte panische Angst vor dem Paukenschlag Punkt Null Uhr und dachte, statt dem Feuerwerk würde es diesmal einen heftigen Knall geben, der so viel lauter, so viel heller sein würde als alle Feuerwerkskörper gemeinsam – und danach würde ewige Stille, ewige Dunkelheit herrschen. Punkt Mitternacht schloss ich meine Augen, ballte meine Händchen zu Fäusten (okay, ich war schon 15, aber egal!) und wartete. Und wartete. Aber es kam nichts. Und wir leben noch heute. Zumindest noch die nächsten 95 Jahre, bis – ganz bestimmt – dann wirklich der große Knall kommt.

Was ich aber sagen will: Damals, in den 1980ern, 1990ern, also vor gefühlten 173 Jahren, stellte man sich das neue Jahrtausend sehr, sehr futuristisch und sehr sehr anders vor als die damalige Gegenwart. Die Technik würde überhand nehmen, da war an sich sicher, und am Mars würden wir auch shoppen gehen. Man denke nu an die “Jetsons” zum Beispiel, die sich nicht mal mehr selbst duschen mussten – was sich bekanntermaßen nicht bewahrheitet hat. Interessanter ist es aber, sich heute, im Jahr 2015, sich dem Kultfilm “Zurück in die Zukunft II” (1989) zuzuwenden – denn Marty McFly landete in diesem Film gemeinsam mit Doc Brown im Jahr 2015. 2015. Also unserer Gegenwart.

Willkommen, Marty!

Willkommen, Zukunftsvorstellungen der 1980er Jahre.

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Denn Drehbuchautor Bob Gale und Regisseur Max Spielberg haben sich das Jahr 2015 um einiges spektakulärer vorgestellt, als es am Ende dann wirklich geworden ist. Zwar verzichtete er auf Alien-Invasionen oder Gedankenkommunikation, so manche Erfindung, auf die Marty McFly im Jahr 2015 trifft, hat sich aber dann – manchmal leider, manchmal Gottseidank – doch nicht bewahrheitet: Schuhe, die sich selbst zuschnüren, gibt es immer noch nicht, genauso wenig wie Jacken, die sich der Größe anpassen und sich selbst automatisch trocken blasen. Immer noch gehen wir selbst mit unseren Lieblingen Gassi und überlassen diesen Job nicht Robotern – obwohl sich das vielleicht demnächst tatsächlich bewahrheiten könnte. In Martys Zukunft verwandeln sich Rohlinge innerhalb von wenigen Sekunden im “Hydrator” zur dampfenden Pizza – hat bisher nicht mal Pizza Hut (oder so) erfunden. Und, natürlich: die Autos, die konnten fliegen. Klar. Weil man sich das einfach erwartete von einem Jahr, das mit der ominösen Zwei beginnt. Und wie toll und …ähm…futuristisch sah die Küche des Zukunft-McFlys nur aus?! Wie ein Raumschiff, fast. Und wie schaut unsere Küche aus? Wie von Omas Bauernhof, fast.

Und, natürlich: Hoverboards wurden immer noch nicht erfunden – auch wenn uns so manches YouTube-Video etwas anderes vorgaukeln möchte. Gegen Marty McFly stinkt selbst Tony Hawk mächtig ab.

(c) universal pictures

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Acht Future Consultants hatten Zemeckis und Spielberg insgesamt angestellt, die unsere heutige Gegenwart vorausahnen sollten. Und auch, wenn in vielen Dingen die Fantasie der Zukunfts-Vorsteller mit ihnen durchging, so lagen sie doch auch in einigen Aspekten erstaunlich richtig: Überall protzten TV-Flachbildschirme von den Wänden, mit manchen von ihnen konnte man unglaubliche – UNGLAUBLICHE – 30 Programme empfangen; Martys Chef kommuniziert mit ihm über eine Art Skype mit Facebook-Einpflanzung und Türklinken werden durch Fingerabdrücke ersetzt – was zumindest in Hochsicherheitsgebäuden bereits vor vielen Jahren Einzug gefunden hat.

Recht behalten haben die Future Consultants und Zemecki auch mit der politischen Entwicklung: “Surf Vietnam” steht auf einem Plakat im Film (und zehn Jahre nach Ende des Vietnamkrieges schien ein Strandurlaub im Ex-Feindesland geradezu absurd). Heute fliegen Tausende Amerikaner zum Urlaub in das sozialistische Land. Und auch eine von Asiaten geprägte Weltwirtschaft sahen die Filmemacher schon voraus.

Aber so oft, in so vielen Dingen lagen sie dann doch daneben. So pünktlichen Regen (“es hört in vier Sekunden auf”) gibt es noch immer nicht und die Inflation ist auch noch nicht so weit fortgeschritten (“Hast Du mal einen Fünfziger? Ich will mir eine Pepsi kaufen.”). Schlipse werden nicht doppelt getragen (Gottseidank!) und die Hosentaschen nicht nach außen. Der Tankwart wurde durch Roboter ersetzt? Nein, der Tankwart wurde durch den Kunden ersetzt. Mobiltelefone, Smartphones? Fehlanzeige, Marty und Doc kommunizieren per Walkie-Talkie, Telefonzellen gibt’s auch noch immer. Und das Internet? Im Film bekommt Marty die Nachricht von seiner Kündigung per Fax. Per Fax!

Vielleicht ist am Ende die Gegenwart dann doch so absurd, dass sie sich nicht mal die kreativsten Köpfe ausmalen  konnten.

Aber bisschen Zeit haben wir ja noch, bis sich die kühne Zukunftsversion von “Zurück in die Zukunft II” doch noch bewahrheiten könnte: Denn Marty McFly landet erst am 21. Oktober um 16 Uhr 29 in Hill Valley.

Schauen wir also, was die Zukunft bringt.

(Übrigens: Wer am 21. 10. noch nichts vorhat, der kann an der via Facebook organisierten “Marty McFly Welcome Party” teilnehmen – wie bis dat0 355.505 andere auch. Die Party startet, erraten, um 16 Uhr 29. Ort ist noch unbekannt – die Filmkulisse in den Universal Studios würde sich aber anbieten: Die steht nämlich noch ….)

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Copyright aller Bilder: Universal Pictures

 

 

 

 

 

 

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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