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Published on August 24th, 2016 | by Manuel Simbürger

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Hotel Rock’n’Roll: “Fear and Loathing” auf Österreichisch

Der Abschluss der Glawogger-Trilogie ist eine fulminant-boulevardeske Tour de Force zwischen Peter Alexander, Louis de Funès, Kebapaufstrich und Post-Punk-Iggy-Pop. Ab 26.8. im Kino.

„Hotel Rock’n’Roll“ bildet den Abschluss der „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“-Trilogie, die mit den ersten beiden Teilen „Nacktschnecken“ (2004) und „Contact High“(2009) einen Beachtungserfolg in den österreichischen Kinos feierte. Regie führte jeweils Ausname-Regisseur Michael Glawogger – weshalb „Hotel Rock’n’Roll“ auch mit einer tragischen Note daherkommt: Glawogger verstarb kurz vor Start der Dreharbeiten, die Regiearbeit hat nun sein guter Freund (und Trilogie-Hauptdarsteller) Michael Ostrowski übernommen, womit der Film zugleich Ostrowskis Regiedebüt von darstellt. Als eine „Mischung aus Freude und großem Respekt“ bezeichnet er die Aufgabe, Glawoggers Erbe anzutreten. Obwohl, das will der 43-jährige Steirer betont wissen: „Es geht gar nicht, in seine Fußstapfen zu treten, denn der Michi war ein sehr vielseitiger Mensch mit sehr vielen Talenten. Das, was ich mache, ist, unsere gemeinsame Trilogie zu einem Abschluss zu bringen.“ Als Hommage an seinen verstorbenen Freund will Ostrowski den Film nicht verstanden wissen, denn: „Wir haben das Drehbuch gemeinsam geschrieben. Man spürt seinen Spirit überall. Sein Geist ist da. Überall.“

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„Fear and Loathing“ auf Österreichisch

Das kann man wohl sagen. Denn von der ersten Sekunde an versprüht „Hotel Rock’n’Roll“ den Charme seiner Vorgänger, steht ihnen um nichts nach, treibt den Wahnsinn sogar zum Teil noch unbarmherziger auf die Spitze: Laut, wild, verrückt, skurril, unberechenbar und vor allem Genre-übergreifend. Was Ostrowski und sein Team hier abliefern, ist klassischer Hotel- und Rock’n’Roll-Film gleichermaßen, Liebesgeschichte und Abenteuerfilm, Musiksatire … und eigentlich Satire auf so gut wie alles Österreichische, denn im Film bekommt das umweltschonende Elektroauto genauso sein Fett weg wie arbeitsscheue Beamten, steife Banker, die vermeintliche Alpenidylle als auch heimische Urgesteine wie Stefanie Werger, die in einer selbstironischen Gastrolle als Escort-Mutti glänzt. Worauf sich der Zuseher hier einlassen (muss) ist ein bisserl wie eine fulminant-boulevardeske Tour de Force irgendwo zwischen Peter Alexander, Louis de Funès, Kebapaufstrich und Post-Punk-Iggy-Pop. Oder, um bei den ganz Großen zu bleiben: „Hotel Rock’n’Roll“ ist „Fear and Loathing in Las Vegas“ auf österreichisch.

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Je größer der Wahnsinn, desto distanzierter sind allerdings oftmals die Zuseher. Nicht hier, denn „Hotel Rock’n’Roll“ schafft es, nicht nur Lacher, sondern auch Emotionen und vor allem eine Verbundenheit beim bzw. zum Publikum aufzubauen – dank den fein gezeichneten Figuren, die trotz aller Groteske stets menschlich und wiedererkennbar bleiben. Alle Charaktere im Film wehren sich gegen eine Form von Leben, das sie nicht haben wollen. „Wir wollen nicht so leben wie alle anderen! Wir wollen den eigenen Wahnsinn nicht aufgeben!“, schreit „Hotel Rock’n’Roll“ aus all seinen Poren, in jeder Filmeinstellung. Besser hätte sich Glawogger nicht verabschieden können.

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(c) Bilder: Filmladen Filmverleih

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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