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Published on November 7th, 2015 | by Manuel Simbürger

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It’s Morphin Time!

„Mighty Morphin Power Rangers“, die Kult-Serie der Neunziger, erobert 2017 erneut die Kinoleinwände. In welcher Form ist noch ungewiss. Actionreich wird’s auf jeden Fall!

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In den letzten Jahren setzte Hollywood immer mehr auf den marketing-reißerischen Wert von Nostalgie und Melancholie. Filme wie „G.I. Joe“ oder „Teenage Mutant Ninja Turtles“ brachten – mehr oder weniger erfolgreich – 90s-Feeling auf die Kinoleinwand. Denn egal, wie gut oder schlecht das Produkt schlussendlich tatsächlich war – kaum erinnern wir uns an unsere Kindheits-Helden, wird uns warm uns Herz und unsere objektive Kritikfähigkeit ist so gut wie ausgeschalten. Da geht’s nicht darum, ob die Spice Girls wirklich talentierte Künstlerinnen waren oder nicht, ob „Beverly Hills, 90210“ eine Sternstunde des TVs war oder nicht – oder ob David Hasselhoff tatsächlich der heißeste Typ auf Erden ist oder eben nicht. Sie alle haben uns beim Erwachsenwerden begleitet, uns wichtigere Lebensweisheiten mit auf den Weg gegeben als unsere Eltern und waren für uns da, ob beim ersten großen Liebeskummer oder der ersten Zigarette.

Vielleicht befinde ich mich auch deshalb in einem orgiastischen Zustand, seitdem mich die News ereilte, dass die Superhelden-Gruppe „Power Rangers“ 2017 in neuem Gewand in die Kinos kommt.

Power Rangers

Mit Freundschaft und Fäuste für eine bessere Welt

Jeder, der ein Kind der Neunziger ist, muss man die Teenie-Superhelden nicht vorstellen. 1993 war es, als die kampferprobten – und durch und durch moralischen – Teenager Jason, Kimberly, Zach, Trini und Billy die TV-Bildschirme eroberten. Mit außerirdischen Kräften ausgestattet und an der Seite von riesigen Kamproboter – anfangs in kreativer Gestalt von Steinzeittieren – kämpfen sie gegen allerlei Monster aus dem All. Inzwischen wurden mehr als 22 Staffeln mit über 800 Episoden ausgestrahlt, für nächstes Jahr ist eine 23. Staffel auf Nickelodeon geplant – was „The Power Rangers“ zu der mit Abstand erfolgreichsten Kinderserie der Welt macht. Im Laufe der Jahre hat sich die Serie natürlich immer wieder neu erfunden, blieb aber im Herzen seiner Grundprämisse – fünf Teenies mit dem Herz am rechten Fleck gegen bösen Abschaum, der die Welt vernichten möchte – treu. Man kann also sagen: Vor „Heroes“, vor „Transformers“, vor Katniss Everdeen, vor den „Misfits“, da waren Jason & Co.

Die ursprünglich japanische Serie setzte auf harte Kampfsport-Szenen, geradlinigen Plots und kostengünstige Special Effects – und begeisterte so Millionen Kids und Teens weltweit. Der Merchandising-Markt blühte, der Kinofilm aus dem Jahr 1995 wurde ein voller Erfolg, die Rangers zu Neunziger-Helden. Wie noch nie zuvor wurden hier Teenager gezeigt, die mit einem goldenem Herzen und einer guten Rechten gegen das Böse in der Welt kämpften – und die stets klarstellten, dass nicht die Rangers-Power, sondern die Freundschaft untereinander die wahre Macht war, die sie zu den größten Helden der Erde machte. Sagt mein Neunziger-Herz. Mein Erwachsenen-Herz spricht da eher von Gewaltverherrlichung, gnadenloses Zuschnappen der Merchandising-Falle und so manche fragwürdige moralische Botschaft. Aber wer will schon auf den erwachsenen Teil in seinem Inneren hören.

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Newcomer-Rangers

Nun wurde bekannt, dass das Power Rangers-Universum auch der neuen Kids-Generation zuträglich gemacht werden soll – wobei davon auszugehen ist, dass vor allem die Nostalgiker in die Kinos rennen werden. 35 Millionen USD soll das Budget betragen – das hört sich auf den ersten Blick enttäuschend an; wenn man aber daran denkt, dass der Überraschungs-Hit „Maze Runner“ genau dasselbe Budget hatte (und mehr als das Dreifache der Produktionskosten wieder einspielte), darf durchaus Hoffnung geschürt werden. Für das Drehbuch zeichnen Autoren der X-Men-Reihe verantwortlich. Ob wir uns darüber freuen oder nicht, wissen wir noch nicht ganz genau. Regie wird Dean Israelite (Project Almanac) führen.

Auch steht noch nicht fest, in welcher Form die Rangers die moderne Kinolandschaft erobern werden – im Netz tummeln sich verschiedenartigste News. Klar scheint zu sein, dass die Original-Rangers „Mighty Morphin Power Rangers“ eine wichtige Rolle im Film spielen werden – wenn sich nicht sogar alles um Jason, Kimberly und Co. drehen wird! Nicht überraschend, gelten diese Staffeln dich als die besten der gesamten Serie. Während der offizielle Power Rangers Twitter-Account die Original-Namen ins Spiel bringt, spricht die gut informierte News-Seite collider.com (sie berichtete als erster über den Power Rangers-Aufguss)  von gänzlich neuen Charakteren, die in die bunten Spandex-Superhelden-Kostüme schlüpfen sollen:

Callum Oliver – The Red Ranger

Priya Patel – The Pink Ranger

Brian Olsen – The Blue Ranger

Oscar Fernandez – The Black Ranger

Teyana Jones – The Yellow Ranger

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Reboot vs. Fortsetzung

Heißt also, bei dem kommenden Power Rangers-Movie (der im Sommer 2017 in die Kinos kommen soll) handelt es sich nicht um ein Reboot, sondern um eine neue Version der ursprünglichen Serie? Geht man nach den derzeit vorherrschenden Gerüchten, scheint es sich beim Film um eine Art Fortsetzung der Serie zu handeln, die alle (!) Staffeln nicht nur berücksichtigen, sondern auf eine spezielle Art und Weise auch fortsetzen soll. Heißt: Cameos der Ur-Ranger (Amy Jo Johnson!!) wären nicht ausgeschlossen. Die ebenfalls vertrauenswürdige Seite moviepilot.de wartet bereits sogar mit einer detaillierten Inhaltsangabe auf:

„Der Film startet mit einer großen Schlacht. Hier sollen die Power Rangers aus Power Rangers Dino Charge kämpfen. Der Film setzt nämlich nach dem Ende der gleichnamigen Staffel an. Als Hauptbösewichte werden dann auch nicht Rita Repulsa und Lord Zedd auftreten, diese wurden nämlich bereits durch Zordons Energiewelle bekämpft. Diese hat Böses vernichtet oder sie in Menschen zurückverwandelt.

Stattdessen bekommen es die Power Rangers zu Beginn des Films mit Scorpina zu tun, die zuvor eine von Ritas Dienerinnen war. Die Power Rangers müssen das Morphin Grid, aus dem sie all ihre Energie schöpfen, beschützen. Laut der Collider-Theorie soll nun jenes Morphin Grid genutzt werden, um in die Vergangenheit und Zukunft zu blicken. Entweder werden die “alten” Power Rangers das Morphin Grid dann benutzen, um die neuen Power Rangers zu sehen (um die sich dann der Film drehen wird), oder aber das Morphin Grid wird von Scorpina in irgendeiner Weise teilweise vernichtet, so dass die neuen Power Rangers gerufen werden. Nichtsdestotrotz würde die Zeitreise-Theorie erlauben, dass die Macher relativ frei durch diverse Staffeln reisen könnten.“

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„Transformers“, gewürzt mit Teenie-Drama

Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht – auch wenn ich größeren Erfolg von einem Reboot erhoffe. Denn dieser setzt nicht nur kein breites Vorabwissen voraus, sondern bietet auch die Möglichkeit, „Power Rangers“ als modernes Film-Franchise im Stil von „X-Men“, „Tribute von Panem“ oder eben „The Transformers“ neu zu etablieren. Mit einer richtigen Mischung aus Drama, Humor und („Transformers“-)Action stehen die Chancen gut, unsere knallbunten Helden zu neuer Glorie zu führen. Da bisher von einem Auftreten des Green Rangers, der zu Beginn der Serie eine elementare Rolle inne hatte (dessen Story gilt bis heute unter Fans als bester Plot des gesamten Rangers-Universums), keine Rede ist, hätte man – orientiert man sich an der „Mighty Morphin“-Saga, genug Stoff für eine Trilogie: Während der erste Teil das Rangers-Universum vorstellt, wird in der Fortsetzung der Grüne Ranger als Gegenspieler (und späteren Verbündeten) eingeführt, sodass der dritte Teil in der glorreichen Auferstehung des White Rangers gipfeln könnte.

So sehr ich mir auch Cameos der Original-Schauspieler wünschen würde (denen im Grunde rein storytechnisch nichts im Weg stehen würde; Jason David „Green Ranger“ Frank hat bereits mehr als deutlich gemacht, für den Film zur Verfügung zu stehen), so grundlegend sind neue, unverbrauchte Gesichter für den Erfolg des Filmes. Und diese hat man bereits gefunden: Der offizielle Power Rangers-Twitter-Account gab bekannt, dass die Hauptcharaktere mit den Newcomern Naomi Scott (Pink Ranger), RJ Cyler (Blue Ranger), Becky G. (Yellow Ranger), Ludi Lin (Black Ranger) und Dacre Montgomery (Red Ranger) bereits besetzt wurden.

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Düsterheit statt Regenbogen

Dass die (Original-) Power Ranger bis heute eine große Fangemeinde hinter sich haben und auch Jahrzehnte später kein (Nerd-) Herz kalt lassen, zeigte sich vergangenes Jahr in der enormen Resonanz auf die inoffiziellen Fortsetzung der „Mighty Morphin“-Saga in Form eines YouTube-Kurzfilms unter der Regie von Adi Shankar und unter der Mitwirkung der Serienstars James „Dawsons Creek“ van der Beek (als Rocky) und Katee „Battlestar Galactica“ Sackhoff als Kimberly. Der 14-Minüter zeigt eine faszinierend-düstere Version der Rangers-Welt, in der nicht mehr Regenbogenfarben und Optimismus, sondern Düsterheit und Verderben vorherrschen. In der nahen Zukunft finden sich die Rangers in einer Dystopie wieder, in der Maschinen die Menschen unterdrücken. Neben Verrat, Armut und allgegenwärtiger Gewalt müssen sie sich auch mit Nutten (Black Ranger!), Drogen und Tod herumschlagen. Definitiv nichts für Kinder (Kimberly wird an ihrem Hochzeitstag mit Jason brutal überfallen; der Bräutigam wird getötet!): Shankar hat sich auf die dunkle Seite im Power Rangers-Universum konzentriert und ist der Frage nachgegangen, was aus Jugendlichen wird, die in derart jungen Jahren die Verantwortung des Weltfriedens auf ihren Schultern tragen müssen („Buffy“ lässt grüßen!). Es tut gut, die in der Serie so vorherrschende Ironie mal außen vor zu lassen und die Charaktere als dramatische Figuren ernstzunehmen.

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Der Kurzfilm polarisierte, brachte die Rangers aber wieder an die mediale Oberfläche. So sehr, dass Netflix 2017 die „Power Rangers“ gar in sein Programm aufnehmen wird – als eigenproduzierte Serie! Darf man hoffen, dass das Streamingportal auch hier seiner düster-grenzüberschreitenden Serienprämisse treu bleibt und sich an ein erwachsenes Publikum im Stil von „Daredevil“ oder „Agents of S.H.I.E.L.D.“ richtet.

Wer weiß, vielleicht wird „It’s Morphin Time!“ ja bald (wieder) zum neuen Kultsager ….

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Bilder: (c) Saban Entertainment, YouTube/Screenshot, Instagram

 

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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