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Published on August 29th, 2014 | by Manuel Simbürger

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Jimmy Kimmel: Mini-Friends-Reunion

Näher werden wir an eine FRIENDS-Reunion niemals mehr, nie nimmer mehr, rankommen: US-Talkmaster Jimmy Kimmel vereinte in seiner aktuellen Folge seiner Talkshow die Nineties-Comedy-Queens Jennifer Aniston, Courtney Cox und Lisa Kudrow, um seine ganz eigene Version einer Friends-Folge nachzuspielen. Die sah dann zusammengefasst so aus: Die Mädels bewundern Kimmel, der kurzerhand in die Rolle von Ross schlüpft, für seine Sexkünste und Chandler und Joey sind tot.

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WHAAAAT??!!!

Nur: Jimmy Kimmel ist nicht Jimmy Fellon, also ging das ganze, trotz Freude zahlreicher Friends-Anhänger, die drei Mädels wieder gemeinsam vor der Kamera stehen zu sehen (die Chemie zwischen ihnen ist immer noch einzigartig!), bisschen nach hinten los. Weil: der Gag war einfach nicht witzig. Mit der Replika von Monicas Appartment ging der Sketch zwar noch ganz witzig los, dann wurden aber – typisch amerikanisch – die Sex-Witze und die (scheinbare) Impro-Comedy so sehr ausgemerzt, dass nicht nur Aniston und ihre Mädels sehr genervt waren und die paar Minuten mehr oder weniger tapfer über sich ergehen ließen.

Wobei: Waren die “Friends”, und insbesondere Aniston (die derzeit übrigens zu ihrem bereits 35. Baby schwanger ist), wirklich so sehr abgenervt von Kimmel und seinem Sketch, das ihnen kein einziges Lächeln über die Lippen kam?

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“Do I really have to say this line?!”

Interessant ist nämlich, das seit gestern ein kleiner Shitstorm über Aniston via Facebook und YouTube (klar, wo sonst?!) hereinbricht. Sie sei eine Zicke, heißt es, fühle sich als “zu gut” für die Rolle der Rachel und legte überhaupt bei Kimmel ein sehr unprofessionelles Verhalten an den Tag – denn wenn es schon, zur Freude Millionen, eine Mini-Friends-Reunion gibt, denn solle die Gute doch auch, bitte schön, etwas Spaß an der Sache haben! Oder zumindest so tun.

Das Lustig(st)e ist aber, dass sehr viele Zuschauer nicht durchschaut zu haben scheinen, dass der Sketch von Beginn an (schon als Aniston bei Kimmel noch auf der Couch saß) bis ins Detail durchgeplant war, also nix mit Impro und so, wie uns gleuaben gemacht werden sollte. Viel zu offensichtlich war, dass Aniston sogar Lines aus dem Drehbuch las, die eigentlich gar keine “Rachel”-Lines waren, viel zu wenig überrascht war sie vom Set. Die Idee der insgesamt 8 Minuten stand von Beginn an fest: Kimmel präsentiert sich als Friends-Nerd, der mit den realen Friends-Stars eine von ihm erfundene Szene durchspielen möchte – die, natürlich, grottenschlecht ist. Aniston und Co sollten davon so genervt sein, dass sie Kimmel dabei im Regen stehen lassen, sodass der Schlussgag auch vollkommen aufgeht: aus “Friends” wird “Friend”. Und Kimmel kann sich sympathisch schön über sich selbst lustig machen. Das Ganze war genauso scripted wie eine Folge von “Berlin – Tag und Nacht”.

Zu glauben, eine Sendung einer so erfolgreichen Talkshow mitsamt einem Sketch, der, genau wie zu erwarten, großes Medien-Echo weltweit hervorruft,, sei nicht bis ins kleinste Detail zuvor geplant, ist sehr naiv und hat noch nicht wirklich verstanden, wie Hollywoods funktioniert. An alle da draußen: Nein, beim “Bachelor” wird nicht wirklich nach der großen Liebe gesucht und bei DSDS geht es auch nicht darum, das nächste größte Musiktalent zu fördern. Und den Weihnachtsmann gibt es auch nicht. Ich weiß, ich bin gemein.

Dass so viele Fans Aniston nun Unprofessionalität und Zickigkeit vorwerfen, zeugt meiner Meinung nach von Anistons großer Schauspielkunst: Sie hat als Bitch so überzeugt, dass man es ihr sofort abnimmt. Dass sie sich in dieser Rolle wohl fühlt, sieht man immerhin auch in “Horrible Bosses”, jener Erfolgsfilm mit Aniston, mit dem sie einen sexy Imagewandel hinlegte und der von Kimmel in dieser Sendung sogar noch angesprochen wurde. Ich sage: Gebt Aniston für diesen Kimmel-Sktech einen Emmy!

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“Can we do this, please?!”

Trotzdem hat das Ganze einen faden Beigeschmack: Alle Friends-Darsteller haben mehrmals betont, dass sie eine Reunion ablehnen (und ich übrigens auch). Diese Mini-Reunion bei Kimmel ist also die Biggest-Reunion, die wir Fans jemals erleben werden. Da hätte man sich schon mehr Mühe geben, hätte die Spielfreude der Darsteller, wie sie damals in jeder einzelnen Folge der zehn Staffeln zu spüren war, nochmal aufleben lassen können. Hätte sich eine bessere Geschichte überlegen können – eine, in der Aniston tatsächlich Rachel, Cox tatsächlich Monica und vor allem Kudrow endlich wieder Phoebe dargestellt hätten. Und nicht nur genervte Diven-Versionen ihrer Selbst. Dann wäre wirklich das unvergleichliche Friends-Feeling der Neunziger wieder aufgekommen. Und wir alle hätten vor Melancholie und Glück geweint. Und nicht nur ein bisschen gelächelt und die Stirn gerunzelt.

So erfreuen wir uns zwar an dem, was uns serviert wird. Ein perfektes Dinner sieht allerdings anders aus. (Das würde VOX sicher auch sagen!)

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Da lachen sie ja dann doch! (c) Jimmy Kimmel Live! ABC

Hintergrundinfo: Die Wiedervereinigung im US-Fernsehen kommt rechtzeitig vor einem Jubiläum im September: 20 Jahre ist es dann her, dass “Friends” Premiere feierte. Die TV-Sitcom rund um sechs Freunde in New York City lief höchst erfolgreich bis 2004. Anlässlich des runden Geburtstags wird auch das legendäre Kaffeehaus aus der Serie, das “Central Perk”, im New Yorker Stadtteil SoHo für einen Monat lang aufgebaut. Fans sollen dort auch Merchandising erstehen und sogar den schrägen Barista Gunther, in der Serie verkörpert von James Michael Tyler, treffen können. Zudem werden berühmte Songs von Phoebe Buffay gespielt werden, die originale Couch soll es dort auch geben. 

 

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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