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Published on März 31st, 2015 | by Manuel Simbürger

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Kein Geschäft mit Schwulen!

Neues US-Gesetz legitimiert Homophobie. Da wird sogar Miley Cyrus aktiv.

 

Kennt ihr diese kleinen Geschenks-Büchlein mit den „irrsten Gesetzen der Welt“? Ganz bestimmt. Da kann man zum Beispiel nachlesen, wo Anal- und Oralsex verboten ist (in insgesamt 18 US-Bundesstaaten), wo man erst küssen darf, wenn man seine Lippen mit karbolsaurem Rosenwasser gereinigt hat (Riverside/USA) oder wo betrunkene Eigentümer von Kühen verhaftet werden (Schottland).

Manche Gesetze aber sind weniger lustig. Im Gegenteil, sie sind diskriminierend und verstoßen gegen die Menschenwürde, die Menschenrechte. Wie auch aktuell das auf den ersten Blick harmlos klingende „Gesetz für Religionsfreiheit“ in Indiana, das vor wenigen Tagen vom republikanischen Gouverneur Mike Pence unterzeichnet wurde. Für Pence war diese Unterzeichnung Ende vergangener Woche scheinbar ein kleines Highlight, verkündete er doch schon vor einigen Tagen: „Ich unterstützte das Gesetz mit ganzem Herzen und beglückwünsche die Parlamentarier für ihre Arbeit in diesem wichtigen Feld. Ich freue mich darauf, das Gesetz unterschreiben zu dürfen, wenn es auf meinem Schreibtisch liegt.“

Dienstleistungen werden verweigert

Was besagt dieses Gesetz, das Pence anscheinend vor Freude in die Luft springen lässt? Leider nichts Gutes: Das Gesetz soll religiösen Unternehmern erlauben, Menschen aufgrund ihrer Homosexualität Dienstleistungen zu verweigern. Ausschlaggebend war eine Klage von Homosexuellen, die in einem christlichen Blumengeschäft bzw. einer christlichen Bäckerei aufgrund ihrer sexuellen Orientierung massiv diskriminiert wurden.

Anstatt aber den Klägern unter die Arme zu greifen und Diskriminierungen aufgrund der Sexualität ein für allemal zu untersagen, beschloss die Regierung Indianas lieber, das Pferd von hinten aufzusatteln und schwulen und lesbischen Bürgern Arbeit (in christlichen Firmen) von vornherein zu verbieten. Das mache man natürlich nur, um die homosexuelle Gemeinschaft zu schützen, wie Pence nachdrücklich in einem TV-Interview mit dem US-amerikanischen Sender ABC vergangenen Sonntag betonte. „Es geht nicht um Diskriminierung“, so Pence, der wahrscheinlich selbst glaubt, was er da von sich gibt. „Es geht darum, Menschen vor der Überregulierung des Staates zu schützen.” Würde das Gesetz zur Diskriminierung beitragen, so Pence weiter, dann hätte er es nicht unterschrieben. Es gäbe hier einfach „eine Menge Missverständnisse“. Ob Homosexuellen nun tatsächlich eine Dienstleistung verwehrt werden kann, dazu wollte der Gouverneur aber dann lieber doch nichts sagen.

Weltweiter Proteststurm

Das Gesetz sorgt weltweit, vor allem aber in den USA, für große Unruhe, Proteststürme, scharfe Kritik und Boykottdrohungen. Vor allem wird der Regierung vorgeworfen, Homophobie nicht nur zu verharmlosen, sondern gar zu legitimieren. Einige wirtschaftlich bedeutende Firmen haben ihre Aufträge in Indiana bereits zurückgezogen. Auch viele Prominente sprechen sich öffentlich und mit klaren Worten gegen das neue Gesetz aus, so zum Beispiel (der offen homosexuelle) Apple-Chef Tim Cook, der das neue Gesetz mit der historischen Rassentrennung in den USA verglich. Popsternchen Miley Cyrus bezeichnete Pence lapidar als „Arschloch“ und „Two and a half men“-Star Ashton Kutcher fragte sich via Twitter: „Dürfen in Indiana dann christliche Geschäfte auch Juden den Eintritt verwehren?“

Auch Broadway-Star Audra McDonald konnte ihren Wut und ihre Häme auf Twitter nicht verbergen: „@GovPencIN Manche in meiner Band sind schwul und wir haben zwei Auftritte nächstes Monat in Indiana. Sollten wir besser im Hotel schon mal anrufen, um sicherzugehen, dass sie uns alle akzeptieren? Oder können Sie uns eine Liste schicken mit den Orten, wo wir bleiben dürfen? Und gilt das Gesetz auch für mich? (Ich bin schwarz)“. Deutlicher geht’s nicht. Sogar Ex-Außenministerin und angehende Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton fand klare Worte: „Es ist traurig, dass solche Gesetze in Amerika heute noch möglich sind.“

Foto: Im Namen des Volkes_Q.pictures_pixelio.de

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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