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Published on September 16th, 2014 | by Manuel Simbürger

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Mein Date mit Zach Braff

Vergangenen Samstag war “Scrubs”- und “Garden State”-Star Zach Braff in Wien, um seinen neuen Film “Wish I was here” zu promoten. Ich habe ihn getroffen.

Mit großen Schritten und ausgebreiteten Armen betritt Zach Braff die Hotelsuite, in der schon eine große Gruppe von Journalisten auf ihn warten. Dass er müde ist, kann er nicht verbergen, was aber auch nicht überraschend ist: Am Vortag war er noch in London, heute in Wien (mit 1,5 Stunden Verspätung, was zum größten Round Table ever führt, nämlich mit 12 Journalisten!), in beiden Städten hat er Interviewmarathons sowohl mit Fans als auch Journalisten hinter sich. Denn der ehemalige „Scrubs“-Star ist gerade auf Promo-Tour für seinen neuen Film „Wish I was here“, seinem erst zweiten Regie-Werk. Trotz fehlendem Schlaf hellt sich seine Miene sofort auf, als er die wartende Reportermasse sieht. „Wow, was für eine Ehre, dass ihr alle gekommen seid!“ Er setzt sein breitestes „J.D. Dorian“-Grinsen auf, denn der Medienprofi weiß ganz genau, was er den Medien und den Fans schuldet. Vor allem dieser Tage.

Der Millionär sammelt Spenden

Denn obwohl „Wish I was here“ (Braff zeichnet sowohl für Regie als auch Drehbuch verantwortlich und übernahm die Hauptrolle) ein durchaus berührender Film über einen erfolglosen Schauspieler geworden ist, der nicht nur mit der schweren Krankheit seines Vaters fertig werden muss, sondern sich auch dazu entschließt, seine Kinder selbst zu unterrichten, musste Braff in den letzten Wochen viel Häme einstecken. Sein neuer Film sei nur ein Abklatsch seines hochgelobten Regie-Debüts „Garden State“ aus dem Jahr 2004, und noch dazu ein schwacher. Vor allem aber wurde Braffs Entscheidung, seinen neuen Streifen via Kickstarter (die weltweit größte Crowdfunding-Plattform) zu finanzieren, heftig kritisiert. Crowdfunding bedeutet: Fans zahlen einen gewissen Beitrag für das Projekt, bekommen dafür aber auch eine Gegenleistung, zum Beispiel in Form von einer Nennung in den Credits, Festivaltickets oder auch kreatives Mitspracherecht. Innerhalb von zwei (!) Tagen konnte Braff auf diese Weise 1,7 Millionen US-Dollar für „Wish I was here“ sammeln, insgesamt wurden mehr als 3 Millionen US-Dollar gespendet. Nicht schlecht, eigentlich. Nur, dass Zach Braff, der nicht zuletzt dank seiner internationalen Erfolgsserie „Scrubs“ sowie klugen Aktien-Investitionen, auf ein Vermögen von unglaublichen 245 Millionen US-Dollar geschätzt wird und somit zu den reichsten Schauspielern der Welt gehört. Dass er da trotzdem Fans zur Kasse bittet, um seinen neuen Film zu finanzieren, obwohl er dies locker aus eigener Tasche tun könnte, stieß und stoßt da einigen durchaus sauer auf. Als ich ihm beim Interview vorsichtig auf das Thema „Crowdfunding“ ansprechen, wird der sonst sehr relaxte Braff energisch und gibt zu, in Zukunft Kickstarter dem Rücken zu kehren. Als Gründe gibt er zwar den organisatorischen Aufwand an, aber man ahnt, dass hier in Wirklichkeit ganz etwas anderes dahintersteckt. Die herbe Kritik dürfte Braff tief getroffen haben

Der Typ von Nebenan

Denn man hat das Gefühl, dass Zach Braff, der zurzeit sein Broadway-Debüt gibt, nach all den Jahren großen Erfolges immer noch den Menschen gefallen will, dass er „einer von uns“ sein will. Er ist während des Gesprächs locker drauf, lacht viel, beantwortet jede Frage ohne Murren, kurz: ist höchst professionell. Auch seine äußere Erscheinung erinnert mehr an den nice guy von Nebenan und nicht an einen der reichsten Schauspieler der Gegenwart.

Aber vielleicht ist gerade das Zach Braffs Erfolgsgeheimnis.

Mein gesamtes Interview mit Zach Braff gibt es hier.

 

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He called me brother. Take that, Turk!

 

 

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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