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Published on März 8th, 2014 | by Manuel Simbürger

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Washington: Rückkehr zu Grey’s!

DownloadEs war einer der größten TV-Skandale der letzten Jahre: Isaiah Washington wird aus der Hitserie (die damals am Höhepunkt ihres Erfolgs war, weil wirklich noch cool und einfallsreich und dramatisch und witzig und sexy) „Grey’s Anatomy“ gekickt, weil er Kollegen T.R. Knight „faggot“ schimpfte. Was soviel heißt wie „Schwuchtel“ oder noch so einiges anderes, was hier nicht wiederholt werden soll (nämlich: Arschficker). Sowieso schon schlimm genug, kam noch dazu, dass Knight damals noch nicht geoutet war – was sich nach Washingtons Schimpftirade erübrigte. Patrick „Traumhaar“ Dempsey, Knight und insbesondere Katherine „Gerechtigkeits-Diva“ Heigl, die sich sowieso gern mal aufregt, forderten Konsequenzen. Und die kamen prompt seitens der Produktion: Washington wurde unter großem Medieninteresse gefeuert, Dr. Preston Burke war Geschichte, er ließ (vor mittlerweile sieben Jahren!) eine trauernde Christina Yang (die niemals mehr so verletzlich war wie in diesem Augenblick) am Altar stehen. Und, weil man sich eben doch nicht zu viel aufregen darf in Hollywood, wurde zwei Staffeln später auch Knight aus der Serie geschrieben. Und Heigl war daraufhin auch bald Geschichte. Don’t mess with Shonda!

Und nun ist es einer der größten TV-Überraschungen der letzten Monate: Washington kehrt zu „Grey’s Anatomy“ zurück.

Whaaaat??!!

Abschied von Christina

Aber, bevor der Puls noch mehr in die Höhe schlägt: Es wird nur ein Gastauftritt sein, und zwar in einer Episode, die in den USA im Mai ausgestrahlt werden wird. Hohe Quoten dürften sicher sein, aber, natürlich, Serienmama Shonda Rhimes geht es nur um den dramaturgischen Aspekt: „Wir wollen die Geschichte von Christina Yang, die wir alle so sehr lieben, zu einem runden Ende bringen. Das hat sich die Figur mehr als verdient. Und Burke ist nun mal eine sehr wichtiger Abschnitt in Christinas Geschichte.“ Denn, das hat Yang-Darstellerin Sandra Oh bereits vor Monaten verkündet, wird sie nach der aktuellen 10. Staffel die Serie verlassen. Vielleicht hat DAS Christina Yang wirklich verdient (obwohl, die neuen Folgen sind ja wieder ganz cool). Schluchz.

Mehr ist noch nicht zu Washingtons Rückkehr bekannt. Dramatisch und emotional wird es sicher werden. Und, wenn die Autoren gut drauf sind, lassen sie Washingtons Burke nicht nur mit Christina, sondern auch mit Derek und Richard agieren, Burkes damalige engste Kollegen. Und mit Meredith, natürlich, die Burke ja nicht immer ganz so positiv gegenüberstand (wie eigentlich alle Zuschauer auch). Und vielleicht lässt Burke ja die eine oder andere sarkastische Bemerkung fallen, was sich in all den Jahren im Seattle Grace so verändert hat (der Gute ist ja nicht wirklich auf den neuesten Stand).

Come on, people!

Ich begrüße also Washingtons Rückkehr – aus dramaturgischer Sicht (ganz wie Shonda halt). Für Christina. Und weil dann wieder altes „Grey’s“-Feeling aufkommen dürfte. Erinnerungen an eine Zeit werden wach, als Meredith noch eine dauerbesoffene Schlampe war, Christina über Leichen ging, Addison das Krankenhaus aufmischte, Izzy einfach nur cool und George einfach nur unwiderstehlich war. Ach ja.

Aber: Ich begrüße nicht, wie Washington plötzlich als geläuterter Mann gefeiert und dargestellt wird. Erstens: Seiner stagnierenden Karriere wird der „Grey’s“-Abstecher sicher auch nicht schaden. Zweitens: der Typ hat nicht eine 180 Grad-Wendung hingelegt. Ich glaub’s einfach nicht. Nach dem „faggot“-Sager habe er sich ja (öffentlich, klar) für die Homo-Ehe ausgesprochen und sich auch ansonsten sehr schwulenfreundlich gegeben. Sogar die so gestrenge GLAAD lobt(e) Washingtons neues Ich.

Nur – come on, people! Nach dem shitstorm, der damals über Washington hineinbrach (als es noch gar kein Wort für shitstorm gab), konnte der Typ ja gar nicht anders, als sein freundliches und ach so tolerantes Gesicht aufsetzen. Nicht, wenn er weiter als Schauspieler arbeiten wollte. Und es hat ja geklappt: In der neuen CW-Serie „The 100“ spielt er eine Hauptrolle.

Burke & Washington

Eine interessante Frage aber kommt bei dieser Hiobsbotschaft auch auf: Wie weit können wir Fans wirklich zwischen TV-Charakter und Schauspieler unterscheiden? Hasst man den Schauspieler, kann man dann trotzdem die Figur lieben (umgekehrt geht’s ja einfacher, wenn man bisschen mitdenkt bei der ganzen Sache)? Ich mein, Burke ist genauso unsympathisch wie Washington. Also ist es in diesem Falle eh wurscht.

Weil Burke einfach unsympathisch ist. Und Washington auch.

Punkt.

Hm.

(Übrigens: Heigl wollte auch für ein paar Episoden zu “Grey’s” zurückkehren. Durfte aber nicht. Weil sie sich mit Shonda anlegte. Da ist Homophobie scheinbar nix dagegen).

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



One Response to Washington: Rückkehr zu Grey’s!

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