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Published on April 21st, 2013 | by Manuel Simbürger

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Romy 2013: G’schobene G’schichten, HDL und ein unlockerer Moderator

Nun ist also auch die diesjährige Romy Gala vorbei. Falls es irgendjemanden interessiert. Denn, mal ehrlich: Aus Ermangelung anderer gewichtigen Preise im Lande bekommt halt auch ein TV- und Filmpreis, der von einer Tageszeitung erfunden und gesponsert wird, seine Wichtigkeit und mediale Aufmerksamkeit. Und weil Österreich anscheinend nicht genug talentierte SchauspielerInnen, ModeratorInnen und sonstige kreative Köpfe vorzuweisen hat (oder zumindest nicht solche, die auch beim Massenpublikum gut ankommen), stammen immer mehr Nominierte aus Deutschland. Dass es trotzdem noch richtig österreichisch bleibt, wird das Niveau nieder gehalten und der Schmäh darf auch nicht rennen, wie er es eigentlich gerne tun würde. Die Location: die Wiener Hofburg, also auch ganz österreichisch. Damit wir das ja nicht vergessen, wenn US-Star Kate Walsh oder die deutschen Stars Matthias Schweighöfer oder Marie Bäumer die Bühne betreten.

Launige Showbühne

Unter den Gewinnern fanden sich alte Bekannte wie Armin Assinger, Adele Neuhauser und Peter Rapp, aber auch ein paar neue Romy-Gesichter gesellten sich dazu, zum Beispiel Jan Josef Liefers oder Peter Resetarits, der überraschend zum beliebtesten Moderator in der Rubrik „Information“ gewählt wurde. „Ich bin eigentlich nur mit der Erwartung eines warmen Abendessens für mich und die Gattin hergekommen“, witzelte der „Bürgeranwalt“ und war sichtlich gerührt. Einer der wenigen, die ihre Dankesrede nicht auswendig herunter plapperten, war auch Peter Rapp, der seinen Preis in der Kategorie „Beliebtester Showmoderator“ mit den Worten „Ich dachte immer schon, dass die G’schicht hier g’schoben is“ entgegen nahm und dafür großen Applaus erntete. Assinger war über seinen Sieg („Beliebtester Moderator Unterhaltung“) nicht so überrascht, wie er tat, dankte brav seiner Förderin Kathi Zechner, verteidigte seine gefloppte Sendung „Das Einser Team“ und widmete seiner Frau ein pubertäres „HDL“. Ihm war’s nicht peinlich, dem Zuschauer schon. Peinlich war der ganze Abend auch David Schalko, der einen Spezialpreis für die TV-Sensation „Braunschlag“ entgegennahm. Er fragte sich, wieso so manch guter Schauspielerin nicht nominiert war und dass das hier eigentlich sowieso alles nicht so ernst zu nehmen sei. Da hat keiner gelacht. Dafür hat die Band laut angefangen zu spielen.

Boah, schon wieder die Weichselbraun!

Und sonst? Kate Walsh („Private Practice“) war von der Band begeistert und tat so, als ob ihr alle der von ihr verlesenen Nominierten in der Sparte „Bester Serienschauspieler“ ein Begriff waren. Hier gewann übrigens der aus Deutschland kommende „letzte Bulle“ Henning Baum. Eh sympathisch – er schien sich aber über das tolle Galadinner mehr zu freuen als über die Romy selbst. Lag vielleicht auch an der Atmosphäre, denn das Moderatorenduo Mirjam Weichselbraun und ZIB-Star Tarek Leitner schafften es nicht, den Funken überspringen zu lassen. Leitner riss zu bemüht seine Witzchen, locker war er den ganzen Abend nicht. Da sollte wohl einer hinter dem Nachrichtenpult bleiben und dem Entertainment-Bereich schnell wieder den Rücken zukehren. ORF-Allzweck-Tante Weichselbraun war (trotz schlechter Gagschreiber) gewohnt sympathisch und selbstironisch. Schon zu Beginn entschuldigte sie sich bei den TV-Zuschauern: „Ich weiß, was Sie jetzt denken: ‚Boah, schon wieder die Weichselbraun!‘“ Fast scheint es so, als sei ihr ihre Dauerpräsenz selbst schon peinlich und sie wolle sich vom ORF bisserl distanzieren. Schließlich hat sie schon vier Romys zuhause, das scheint ihr zu reichen. Man kann es ihr nicht verübeln.

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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