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Published on Oktober 12th, 2015 | by Manuel Simbürger

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Sankil Jones: Ist er die neue Conchita Wurst?

Szene-Star Sankil Jones („Fire“) stellte vergangenen Mittwoch im „Village“ seine neue Single vor. Wir orten: Hitpotenzial eines Künstlers, der sich nicht in Schubladen stecken lässt. 

Vergangenen Mittwoch, am 7.10., war im Szene-Kultlokal „Village“ ein besonderer Abend mit einem besonderem Anlass: Eurovisions Bohemian Prince Sankil Jones („Fire“) stellte seine neue Single „My All“ einem ausgewählten Publikum vor (und alte Hits wie „U’ll never know“, „Sneakers“ oder eben „Fire“ wurde auch gleich wieder mal zum Besten gegeben).

Die Neugier war groß, schließlich ist es bereits 4 Jahre her, dass Jones musikalisch etwas von sich hören ließ. Keiner wollte sich entgehen lassen, welch musikalische Richtung Jones nun einschlägt, wie er sich in den vergangenen Jahren als Künstler (weiter)entwickelt hat – und ja, ob diese markante Stimme, die irgendwo zwischen Sam Smith, Mariah Carey und Beyonce angesiedelt ist (und gleichzeitig auch wieder nicht), die heraussticht und durchaus auch mal kontrovers aufgenommen wird, ob die immer noch da ist.

Und wie Jones sie einsetzt. Und klar, dass Sankil Jones eine Augenweide ist, die Männer und Frauen gleichermaßen begeistert, das schadet da natürlich auch nicht.

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Potenzieller Hit

Geht man nach den Reaktionen des Publikums, das sich im „Village“ einfand, hat man es hier mit einem potenziellen Hit zu tun: Von „Ohrwurm!“, „Macht echt Laune!“ bis zu einem zufrieden-kopfnickenden „Jo, des passt!“ war an diesem Abend alles dabei. Zurecht – oder war da der eine oder andere nicht doch mehr von Jones‘ einnehmbaren Charme geblendet?

Charme, den hat Jones nämlich zweifellos. Er ist der Künstler zum Anfassen, ohne dabei diese spezielle Aura des Unerreichbaren zu verlieren. Man hört ihm gerne zu, wenn er spricht, manchmal sieht man ihn gerne auch einfach nur an. Bei all diesem gewinnenden Auftreten, das Jones drauf hat wie kaum ein anderer, sollte man aber nicht vergessen, worum es wirklich geht: die Musik. Die braucht sich nämlich bei Sankil Jones nicht verstecken.

Jones ist nicht einer dieser Künstler, die sich hinter ihrem hübschen Gesicht, ihrem Style, ihrem strahlenden Lächeln verstecken und dabei hoffen, auch mit Durchschnittsmusik ihr Publikum zu finden. Jones ist ein Vollblutmusiker, immer schon gewesen, seit klein auf, in unterschiedlichsten Facetten und Schattierungen (so tourte er als Kind u.a. mit Dionne Warwick und Diana Ross). Jones (der österreichisch-libanesische Wurzeln hat und in Wien geboren wurde, aber in den USA aufwuchs) macht nicht nur Musik, er lebt sie.

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Irgendwo zwischen Sam Smith, Meghan Trainor und Bruno Mars

Das hört man auch der Comeback-Single „My All“ an: Ein selbst komponiertes Liebeslied, vielleicht seinem langjährigen Partner (sorry, Männer!) gewidmet, vielleicht auch dem Leben an sich oder vielleicht auch Menschen im Allgemeinen, die einem wichtig sind und mit denen man gemeinsam durchs Leben gehen möchte, schafft „My All“ den schmalen Grat zwischen Kitsch und echtem Gefühl. „Let’s take a walk in the sun“ singt Jones da zum Beispiel, oder auch „I was born the day I found you“. Oder „I wanna skip around the world holding your hand.“ Das könnte jetzt schnell mal ganz stark in, ja, Kitsch und belanglosem Liebes-Geträller, wie wir es schon gefühlte Millionen mal gehört haben, abdriften.

Tut es aber nicht. Weil Jones mit „My All“ beschwingt und scheinbar mühelos Feel-Good-Vibes ganz im Stile der 70er verbreitet, eine Mischung aus Romantik und freier Liebe, aus unzerstörbarem Optimismus und dem Willen zu kämpfen. Gepaart mit seiner tatsächlich unverkennbaren Soulstimme und einer begleitenden Big Band ist „My All“ eine Mischung aus Pop und Gospel – oder besser: Retro Pop, ganz im Stil von Sam Smith, Adele, Meghan Trainor oder allen voran Bruno Mars (was auch bei der Realeaseparty gut ersichtlich wurde, als sich das Musikvideo zu „My All“ mühelos zwischen jene von Smith und Trainor eingefügt hat).

Jones verbindet Gegenwart mit Vergangenheit, gleitet dabei aber nie in Schwerfälligkeit ab, womit es Jones gelingt, Songs abzuliefern, die zum einen aktiv die aktuelle Gemütslage des Hörers einfangen und forcieren, zum anderen aber auch unangestrengt im Hintergrund im Radio laufen können, ohne zu sehr abzulenken. Das tut gut, weil wenn es da draußen bewölkt und düster ist und auch das Wetter mal nicht so mitspielt, wie man mag, ist es nicht verkehrt, daran erinnert zu werden, dass das Leben auch leicht-beschwingt sein kann, ohne dabei seine Tiefgründigkeit einbüßen zu müssen.

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Die verschiedenen Seiten von Sankil Jones

Man merkt also: Jones ist ein Künstler, den man nicht recht einordnen kann. Bleibt zu hoffen, dass ihm genau dieses Entsagen von Schubladen nicht zum Hindernis in seiner Karriere wird – denn Radiostationen, die lieben es, Künstler in Kategorien stecken zu können. Sogar quasi-alternative Sender wie FM4 tun nichts anderes.

Sankil Jones wünscht man, ordentlich durchzustarten. In der LGBTI-Szene ist er bereits seit einigen Jahren eine fixe Größe, in den letzten Monaten begeisterte er zum Beispiel auf der Bühne des „Wien andersrum“-Straßenfestes oder der Linz-Pride. Schon da hatte man das Gefühl: Die aktuellen Bühnen, die sind für Jones eigentlich zu klein, da kann jemand nicht ganz das zeigen, was in ihm steckt.

Und was wäre es für die Community ein öffentlicher Boost, würde neben Conchita noch ein offen schwuler Künstler auf Österreichs Radiostationen ein Zuhause finden und die große Masse für sich begeistern. Anders als Conchita, wo auch die Botschaft der Toleranz und Akzeptanz für LGBT stark transportiert wird, steht bei Jones die Musik im Vordergrund, womit er in die Stapfen großer US-Künstler wie Adam Lambert oder – ach verdammt, schon wieder – Sam Smith tritt. Was nicht bedeutet, dass Jones einen Bogen um das Thema Sexualität und Gleichstellung macht: So ist er zum Beispiel offener Unterstützer der Eheöffnung. „Menschen die sich lieben, sollen heiraten dürfen. Das sollte gar kein Thema sein“, sagt er und lässt daran keinen Zweifel, dass er es auch so meint. Aber auch abseits von LGBTI-Themen zeigt Jones seine soziale Ader: Gemeinsam mit anderen Künstlern wie Uwe Kröger oder Drew Sarich setzte er sich im Rahmen eines musikalischen Projekts für die Flüchtlingsproblematik ein, auch in den folgenden Monaten sollen noch einige Charity-Events folgen.

Wir sind uns also sicher: Neben Conchita ist in der österreichischen Musiklandschaft noch jede Menge Platz für einen weiteren queeren sexy Bartträger mit toller Stimme und ganz, ganz großem Talent.

Die neue Single „My All“ von Sankil Jones gibt es ab sofort zum offiziellen Download auf iTunes.

Und hier gibt’s die Facebook-Fansite mit den neuesten Infos!

(Dieser Artikel erschien ursprünglich auf thinkoutsideyourbox)

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



One Response to Sankil Jones: Ist er die neue Conchita Wurst?

  1. Hosting says:

    Eine Stimme, die ubrigens auch polarisiert, wie es so oft ist mit Kunstlern, die aus der gesellschaftlichen Komfo 6 rtzone fallen.

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