Music ALBUM_Gerard_AAA_Cover

Published on Juli 26th, 2017 | by Manuel Simbürger

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Haaaave you met … Gerard?!

Auf seinem aktuellen Album “AAA” liefert Gerard das, was man von ihm erwartet – und wofür man ihn liebt: Stoische Genre-Verweigerung, viel Interpretationsspielraum und auch ein wenig Belanglosigkeit.

ALBUM_Gerard_AAA_Cover

Eigentlich ist der „Haaaave you met …“-Fragebogen strikt ganz frischen Gesichtern aus den unterschiedlichsten kreativen Bereichen vorenthalten, die zwar bereits erste respektable Erfolge vorweisen können und den – zugegeben leider bereits sehr abgegriffenen – Titel des „Next Big Thing“ verdient haben, die aber erst ganz am Beginn ihrer Karriere stehen und die Welt erst noch von sich überzeugen müssen. Beim österreichischen Rapper Gerard ist das etwas anders: 2013 bereits erfolgreich in den Charts mit seinem Album „Blausicht“ vertreten, liefert er mit „AAA“ nun das Folgewerk ab – und auch das konnte sich auf einen respektablen 21. Platz in den österreichischen Charts behaupten. Die große Masse mag mit dem gebürtigen Oberösterreicher aber trotzdem noch nicht viel anfangen zu wissen – zu Unrecht, denn seine Songs überzeugen mit Ohrwurm-Hooks, philosophisch-authentischen Lyriks und einem erfrischenden Verweigern einer jeden Genre-Zugehörigkeit: Gerard ist irgendwo zwischen Pop und Hip Hop, zwischen Rap und Electronic. Fast scheint es so, als ob der 30-Jährige, der bereits seit seinem 15. Lebensjahr Musik macht, einfach das macht, worauf er gerade Lust hat – und was aus seiner kreativen Seele einfach raus muss. Das kommt, man sagt es im Hip Hop ja so gern, “real” rüber und auch an – nicht zuletzt beim deutschen Superstar Matthias Schweighöfer, der sich vor Jahren offiziell als ganz großer Gerard-Rapper outete. Ob das einem Musiker Credibility verleiht oder nicht, darf an dieser Stelle unbeantwortet bleiben, das Schlechteste ist es aber sicherlich nicht.

Belanglosigkeit, die zum Nachdenken anregt. Seinem Konzept bleibt Gerard (eigentlich: Gerald Hoffmann, also eh einer von uns!) auch auf seinem aktuellen Album „AAA“, das er unter seinem neu gegründeten Label Futuresfuture herausbrachte (der faire Umgang mit Künstlern wird hier nach eigenen Worten ganz groß geschrieben!), treu. Er bewegt sich weiterhin ganz nahe an zeitgenössischer Popmusik, was seine Songs auch jenen leicht zugänglich macht, die dem musikalisch unterlegten schnell-gesprochenen Wort ansonsten eher wenig abgewinnen können. Das macht das Album kreativ und seicht zugleich, es macht Laune und regt wiederholt zum Nachdenken an, geht mitunter aber auch in Belanglosigkeit unter – auch deshalb, weil so manche Phrasen doch zu sehr an Küchenpsychologie oder Kalender-Sprüche erinnern. Das Ganze bringt Gerard aber mit derart viel Enthusiasmus, Sympathie und vor allem Ehrlichkeit rüber, dass der Zuhörer gern dazu neigt, über diese Schwächen hinwegzusehen. Gerard rappt nicht über Drogen, nicht über Bling Bling, nicht über Prostituierte, auch nicht über das „Pumpn“, nicht über den „Guuugarutz“, der unter der Sonne zum Leben erwacht, und auch nicht über den Popo, der woki muss. Stattdessen gibt es Geschichten aus seinem Leben und ganz viel Interpretationsspielraum (wie übrigens auch beim Albumtitel selbst), untermalt mit chillig-poppigem Sommersound. Gerards Kunst: Auch jene seiner Songs mit melancholisch-depressiven Lyriks gehen ins Ohr, ziehen einen nicht runter und säuseln angenehm im Hintergrund am lauen Sommerabend. Gerards Schwäche: Auch jene seiner Songs mit melancholisch-depressiven Lyriks gehen ins Ohr, ziehen einen nicht runter und säuseln angenehm im Hintergrund am lauen Sommerabend. Irgendwie wartet man einfach darauf, dass Gerard einem richtig weh tut. Irgendwann, und sei es nur mit einem einzigen Track. Die Ecken und Kanten sind zwar da, insbesondere bei Tracks wie „Play/Skip“ (feat. Naked Cameo), „The Streets“ und „Frösche“ (feat. I Salute) bemerkbar, zum Schneiden oder zum Drüber-Stolpern gibt’s aber noch nichts. Auch nicht, wenn Gerard die schräge Schlager-Rap-Kombo Schönbrunner Gloriettenstürmer ins musikalische Boot holt. Besonders dann nicht. Potenzial gibt’s aber auf jeden Fall.

Verschlossen. Obwohl Gerard für sein Herumtollen auf der verbalen Spielwiese bekannt ist, gibt er sich im Interview mit „Das Popfenster“ eher wortkarg. Zwar bisschen schade, andererseits: Verstellen ist ja nicht Gerards Ding. Also: Passt schon so. Wenn man musikalisch stets derart tief in die eigene Seele blicken lässt, ist es vielleicht der größte Luxus, auch mal verschlossen zu bleiben.  Immer wieder tiefgründig gibt sich Gerard aber nichtsdestotrotz.

 

Gerard1_by_kidizinsane_web Name: Gerard

 Alter: Jung.

 Wie geht es Dir gerade: Sehr Gut

 Meine Vorbilder: Keine Vorbilder, weil ich will kein Nachbild sein.

 Musik bedeutet für mich …: Gedanken und Ideen zu manifestieren.

 Wie kamst du zur Musik? Durch die Cds meines Papa, die ich mir immer ausgeborgt habe.

 Woher nimmst du deine Inspirationsquellen, wie kann man sich den Schreibprozess bei dir  vorstellen? Dem Leben, Geschichten von mir selbst, Geschichten aus meinem Umfeld.

 Es beflügelt mich, wenn…:  ich kreativ bin und geile Ideen habe.

 Meine wichtigste Nummer in meinem Handy ist …: wechselt.

Der ungerechte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene unberechtigte Misserfolg – was ärgert Dich mehr und warum?

Weder noch, ich nehm mir weder Erfolg noch sogenannten Misserfolg besonders zu Herzen. Was andere machen betrifft mich überhaupt nicht, daher gönne ich jedem seinen Erfolg und konzentriere mich auf meinen eigenen Weg.

Was macht Dich trauriger unerfüllte Träume, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Ebenfalls weder noch. Unerfüllte Träume sind ja da, um noch erfüllt zu werden und über Träume die in Erfüllung gegangen sind kann man ja nicht traurig sein.

Das ist neu und gut: mein Album AAA.

Das ist neu und schlecht: Rechtsruck in der Gesellschaft.

Das letzte Mal habe ich gelacht, als…: kann ich mich nicht mehr erinnern, ich lache sehr oft :)

Das letzte Mal habe ich geweint, als …: kann mich nicht mehr erinnern, ich weine sehr selten. :)

Keiner würde denken, ich wäre sexy, wenn er wüsste…: gibt’s nix :)

Sex bedeutet für mich ….: vieles.

Liebe bedeutet für mich …: alles.

Wie leicht fällt es Dir, mit einer attraktiven Frau zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr im Bett wäre? 

Sehr.

Lebenslanger aufregender, absolut geiler Sex, dafür aber Führerschein aufgeben. Oder Führerschein behalten inklusive tolles Auto – was würdest Du wählen? Oder gibt es einen fairen Deal?

 Ersteres! (gerne aber auch beides!)

Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Ne gesunde Mischung.

Besitzt der Mensch einen freien Willen? Gibt es Deiner Meinung nach einen Beweis dafür?

Ja. Beweis: Dass ich jetzt mitten im Satz aufhöre zu schr

Meine Mama sagt immer …: „Wer weiß wofür es gut ist“

Auf dieser Website bin ich zuletzt hängen geblieben: www.futsfut.com

Das gibt es beruflich Neues bei mir: neues Album AAA, mein neues Label „Futuresfuture“ und andere Tausend lustiger Pläne, aber darüber will ich getreu meinem Motto „Action speaks louder than words“ noch nicht reden ;)

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Gerard über sein neues Album, Rap und Matthias Schweighöfer:

Wie unterscheidet sich dein aktuelles Album AAA von den Vorgängern?

Für mich ein weiterer richtiger Schritt dorthin, wo ich hinwill; die Vorgänger waren ein richtiger Schritt zu AAA.

Viele Künstler sagen bei jedem neuen Album, es sei das „erwachsenste“ und „reifste“, das sie bisher gemacht haben. Denkst du über AAA genauso?

Nein, fühle mich nicht sehr erwachsen. :p

Früher war Rap bzw. Hip Hop mit frauen- und homofeindlichen Texten, viel Bling Bling und Macho-Posen verbunden. Seit geraumer Zeit, auch dank Cro und der Neuerfindung von Sido, ist deutscher Hip Hop im Mainstream angekommen und überzeugt mit tiefgehenden, sozialkritischen und romantischen Texten. Manchmal klingt dieser Rap aber auch etwas „weichgespült“. Was sagst du dazu?

Es gab auch damals schon verschiedene Arten von Rap, genauso wie jetzt. Ich finde Rap ist immer noch die mutigste Musikrichtung von allen. Die, die sich am meisten traut und die, die alle anderen Musikrichtungen bewusst oder unbewusst beeinflusst.

Darf Rap Mainstream werden, um noch seine volle Entwicklung entfalten zu können?

Rap darf alles. Das ist das Schöne an dem Genre.

Über welche Themen würdest du niemals rappen?

Nur über Geschichten, die mir Freunde erzählen und mich bitten, sie für mich zu behalten.

Man sagt, Rap sei die schwierigste Gesangskunst. Stimmst du dem zu?

Ich denke, ja. Nicht umsonst werden alle großen Pop Songs zur Zeit von Rappern geschrieben. Timing ist das A und O und das wichtigste ist zu wissen, wo man Pausen setzt.

Gibt es etwas Spezifisches, das du mit deiner Musik ausdrücken möchtest?

Ich möchte durch meine Musik motivieren, genauso wie ich durch Musik motiviert wurde meine Träume zu leben.

Welche Musik hörst du privat?

Bon Iver, Everything everything, The Streets, Stromae und und und

Deine Meinung zu Cro, Sido, Lukas Plöchl, Kollegah, Casper?

Alle machen ihr Ding und das sollte man respektieren. Nicht alles sagt mir zu, aber bevor ich jemanden öffentlich grundlos kritisiere, enthalte ich mich lieber meiner Meinung und sage es jedem privat, wenn er danach fragt ;)

Was denkst du allgemein über die deutschsprachige Rapperszene? Was findest du gut, was kritisierst du? Und siehst du dich als Teil dieser Szene?

Ich glaube ich bewege mich von außen betrachtet eher außerhalb der Szene, da meine Musik schon weit weg ist vom gängingen Hip Hop Begriff. Ich bin aber mit mehr Leuten in der Szene befreundet, als man vielleicht denkt.

Was sagst du dazu, dass Matthias Schweighöfer ein Fan von dir ist? Ich glaube, du hast ihn schon privat getroffen. Wie kam es dazu und was ist Matthias für ein Typ?

Er hat mich irgendwann vor etwa vier Jahren aus dem Nichts angerufen und mir erzählt, dass er total in mein damaliges Album „Blausicht“ reingekippt ist und jede Zeile auswendig kann, was für mich eines der größten Komplimente überhaupt war, da ich sein Schaffen schon seit ich ein Kind war begeistert verfolgt habe. Seitdem sind wir gute Freunde geworden und in regelmäßigem Austausch. Wir inspirieren uns gegenseitig glaub ich sehr gut und da werden garantiert einige gemeinsame künstlerische Abenteuer noch das Licht der Welt erblicken.

Fotos: (c) KIDIZ INSANE

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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