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Published on Juli 10th, 2017 | by Manuel Simbürger

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Britney: Sie kann’s auch live!

It’s time we give Britney some credit.

Vor kurzem hat sich Britney Spears aufgeregt, weil jeder meint, sie singe nie und auch echt nie live. Und das sei ganz schön unfair, meint sie, weil das tue sie nämlich, auch wenn sie von Playback unterstützt werde, aber sie tanze auch ziemlich viel, also sei das normal. Und irgendwie fühlt sie sich da nicht ernst genommen, als Sängerin und überhaupt und außerdem, ließ Britney in diesem Interview (das ziemlich schnell viral ging, weil … es ist Britney) ihren Ärger mal freien Lauf.

Der genaue Wortlaut ging folgendermaßen:

„A lot of people think that I don’t sing live. I do usually — because I’m dancing so much — I do have a little bit of playback, but there’s a mixture of my voice and the playback. It really pisses me off because I’m busting my ass out there and singing at the same time, and nobody ever really gives me credit for it. You know?”

I know, gurl.

Meine erste Reaktion: Naja, Schatzi, ich reg mich auch nicht auf, dass Leute meinen Sixpack nicht anerkennen, weil: Ich habe keinen Sixpack. Und dann sollte man schon die Kirche im Dorf lassen (gibt’s da eigentlich irgendeine passende musikalische Analogie dazu?), weil schließlich ist Britney Spears, Pop-Legende hin oder her, zwar für ihre Performances, nicht aber für ihre Live-Vocals berühmt. Zu einem Britney-Konzert geht man, weil man coole Choreos sehen, catchy Songs, die zum Tanzen anregen, hören und halbnackte Tänzer fühlen (so quasi) will. Und, weil es halt die Britney ist. Die schreckt nämlich auch nicht davor zurück, vor Tausenden von Menschen ihr Herz auf der Zunge zu tragen (wenn auch nicht immer ganz beabsichtigt). Und weil sie manchmal, will sie ihre genau durchgeplante Show etwas auflockern, ziemlich crazy drauf sein kann. Und zumindest da kann man sich sicher sein: DAS ist ziemlich sicher live.

Meine zweite Reaktion: Vielleicht ist Britney nicht umsonst als Godney bekannt und sie klingt live tatsächlich punktgenau so, wie sie auf CD klingt. PUNKT.GENAU. DETAIL.GENAU. Bis auf den kleinsten, verstecktesten Seufzer.

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Dann aber, etliche Reaktionen später, habe ich mir aber gedacht: Moment mal. So unrecht hat die Britney vielleicht gar nicht. Sie mag zwar kein Vocal Powerhouse sein wie beispielsweise Christina Aguilera, Beyonce, Adele oder auch Lady Gaga, die alle nur einen Ton losröhren müssen und es setzt ein halbstündiger Ohrgasmus beim Zuhörer ein, aber ganz so, dass Britney gar nicht singen kann, ist es tatsächlich auch wieder nicht. Britney ist für ihre rauchig-kindlich-nasale Stimme berührt, die sie sich eigentlich nur zwecks Wiedererkennungswert zugelegt hat (hat funktioniert), denn ihre „echte“ Stimme klingt (wenn man genau zuhört, zugegeben) voller, breiter und erwachsener. Was man auch nicht vergessen darf: Zu Beginn ihrer Karriere, bevor der digitale Stimmverzerrer in Britneys Studio einzog, hat sie einige Male unter Beweis gestellt, dass sie im Live-Gesang so schlecht gar nicht ist und durchaus ihrer Gesangsfrau stehen kann. Wieder zugegeben: Das waren andere (Britney-)-Zeiten, die Künstlerin strotzte da noch vor Esprit, Selbstbewusstsein, Spaß an der Sache und vor allem vor Furchtlosigkeit vor dem Scheitern. Das sieht man an ihren Tanzmoves, an ihrem Gesang, an ihrer Ausstrahlung und überhaupt an der gesamten Bühnenshow, die Britney damals mit Leichtigkeit aus dem kleinen Finger schoss und mit der sie sich zurecht ihren Status als Entertainment-Pop-Legende sicherte.

Jedenfalls will Britney wieder daran erinnern, dass es diese Zeiten gab und dass sie sehr wohl mehr ist als bloß ein stummer Tanz-Fisch. Also gab sie kurz nach dem berüchtigten Radio-Interview, das natürlich im Netz sogleich eine Diskussion über Britneys Gesangskünste lostrat, während einer ihrer Las Vegas-Shows ein Happy Birthday-Ständchen für ihren Tänzer zum Besten. Betont live, betont inbrünstig, betont Marilyn Monroe-ish. Und: Hat eh gepasst, das Publikum zollte Britney gebührend – und reichlich überrascht – Beifall. Da hast sich jemand das beste Geschenk selbst gemacht. Und sich und der Welt bewiesen: Godney kann’s immer noch. Wenn sie will und sich bemüht.

Und weil auch ich immer bereit dazu bin, Brit-Brit in ihrer Sache zu unterstützen und ihr Seelenfrieden zu schenken (die Gute hat es sich mehr als verdient!!), habe ich folgend mal einige Clips zusammen gesammelt, in denen Britney nicht nur ihre Lippen zur Musik bewegt (und, sry Brit, auch daran scheitert’s immer wieder mal), sondern tatsächlich live singt. Und das meistens auf mehr als respektablem Niveau. Britney, wir wollen deine echte Gesangsstimme nun wieder öfter hören!

Die vielleicht beste Performance in Britneys gesamter Karriere. Hier stimmt alles: Energiegeladene Tanzmoves, eine einnehmbare Attitude, Bühnenpräsenz und Killer-Vocals.

Zwar ein bisserl mit Playback-Unterstützung, aber sicherlich einer der besten Performances von Britneys Erotik-Kracher “I’m a slave for u”.

Zumindest der “Satisfaction”-Part dürfte live gehaucht sein – und Britney fängt die Essenz des Songs perfekt ein! Und erinnert ihr euch noch, was für einen großen Skandal ihr Nude-Outfit damals ausgelöst hat? Heute wäre man manchmal froh, wenn Mrs. Spears so viel Textil am Körper tragen würde.

Britney Spears beweist hier ein für alle Mal, dass sie dem King of Pop um nichts nach steht. “Ich habe noch nie zwei Künstler gesehen, die mit ihrer reinen Präsenz tausende von Menschen mit solch einer lässigen Leichtigkeit für sich einnehmen konnten”, erinnert sich ein Bekannter, der bei diesem legendären Auftritt live vor Ort war (lucky dude!). Und das alles ohne einer ausgeklügelten Choreografie. King and Princess of Pop, for sure.

Baby-Brit abseits ihrer berühmten Baby-Voice. Raw und deep.

Bei emotional-ehrlichen Balladen kann Britney zeigen, was stimmlich in ihr steckt. Sie kann auch mehr als fetzige, aber oberflächige Club-Banger abzuliefern.

… und einmal noch, weil’s so schön war. Diesen Song war der erste, den Britney selbst geschrieben hat. Hier verarbeitet sie die Trennung von Justin Timberlake, ihrer großen Liebe. Da sei es ihr erlaubt, da nicht immer alle Töne vollkommen getroffen werden. Die Emotionen sind dafür umso gewaltiger.

Beim Nachfolger von “Everytime” gibt sich Britney natürlich auch nicht mit Playback-Gedudel zufrieden.

Irgendwie scheint Britney eine/unsere versteckte Balladen-Queen zu sein. Bei “Oops …” verabschieden sich die Live-Vocals zwar schnell wieder, aber dennoch: würdige und respektable Grammys-Performance.

Da hört sich die Schülerin ja beinahe besser an als die Lehrerin …

Und wenn wir schon bei Madonna sind: Mit der Queen kann Britney locker mithalten, neben Xtina wirkt sie natürlich … sagen wir mal, blass.

Eines von Britneys besten Konzerte.

Britneys Balladen sind criminally underrated.

Britney totally slays this cover.

Von Cher-Britney kann man nicht genug kriegen.

Love this chill out version of “Opps…”.

Britneys Dancemoves sind auf ein Minimum gehalten, dafür konzentriert sie sich um so mehr auf den Gesang. Britneys Karriere entwickelte sich aber in eine andere Richtung. Weshalb du ja auch gerade diesen Artikel hier liest.

Aber wenn Britney es will, kann sie es auch heute noch. Erinnert an frühere Zeiten. Ein bisserl zumindest. Das Herz geht uns dabei auf jeden Fall auf.

Einfach deswegen, weil man zumindest Britneys Mut belohnen muss. Die gute Absicht zählt immerhin.

Bilder: (c) Screenshot YouTube

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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