Ein Plädoyer für .... smash_s1_a_story

Published on Juni 12th, 2014 | by Manuel Simbürger

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Ein Plädoyer für … Megan Hilty

In der neuen „New Shit“-Kategorie „Ein Plädoyer für…“ gebe ich jenen Promis und Künstler eine Stimme, die sie vielleicht nicht brauchen, die sie aber verdienen. Künstler, die maßlos unterschätzt werden. Die nicht den Erfolg haben, der ihnen eigentlich zusteht. Die mit Vorurteilen zu kämpfen haben, die nicht immer gerecht sind. Oder, man kann es auch so beschreiben: Ich schreibe über SchauspielerInnen und SängerInnen, die ich persönlich einfach sehr, sehr cool finde. Und das, was man cool findet, möchte man mit der Welt schließlich teilen. Heute: Megan Hilty, die Marilyn Monroe der Nullerjahre.

Die TV-und Hollywood_Welt kann manchmal ganz schön grausam und ungerecht sein (duh!). Da gibt es Serien, die nicht mehr als Durchschnitt sind, Dramen, die nicht dramatisch und Comedys, die nicht lustig sind, und die werden trotzdem fortgesetzt. Devious Maids zum Beispiel. Mistresses. Mom. Two and a half men. Mike & Molly. Um nur einige zu nennen.

Und dann gibt es Serien, die zwar, zugegeben, das Genre nicht neu erfinden, immer wieder größere Patzer im Drehbuch haben und nicht immer ihre Höchstleistung bringen Und trotzdem sind diese Serien immer noch besser und unterhaltsamer als oben genannte Beispiele. Sie werden aber trotzdem nach ein oder zwei Staffeln abgesetzt, weil man ihnen keine Chance gibt, ihre Stimme zu finden. The Crazy Ones zum Beispiel mit der absolut unterschätzten Sarah Michelle Gellar. Und Smash (wenn auch schon voriges Jahr) mit der noch mehr absolut unterschätzten Megan Hilty. Und genau das ist bei solchen Serien das wirklich traurige: Dass man solch Ausnahmetalente längere Zeit (oder oft auch gar nicht mehr) am TV-Bildschirm sehen wird (und auf der Kinoleinwand sowieso nicht). Und bei Megan Hilty ist das, man kann es nicht anders sein, eine Schande.

Megan, die neue Marilyn

Eigentlich hat „Smash“ sehr wohl das Genre neu erfunden. Eine Musical-Serie, die sich im Gegensatz zum bahnbrechenden „Glee“ fast ausschließlich an Erwachsene richtet und pointiert und oftmals selbstironisch, aber mit dem immer nötigen Ernst hinter die Kulissen des Broadway blickt. Mit Stand-Out-Performances und Original-Songs, die Charts-Qualität haben. Nicht überraschend, dass viele Fans forderten, die in der Serie erfundenen Musicals „Bombshell“ und „Hitlist“ sollten tatsächlich auf die Bühne gebracht werden.

Leider konnte die zweite (und finale) Staffel das Niveau der ersten tatsächlich nicht halten (zumindest in der ersten Hälfte) und schon sehr bald hatte „Smash“ mit massiven Quotenproblemen zu kämpfen. Wodurch aber eine sehr interessante Metaebene (eine Stärke, die der Serie von Beginn an innewohnte) entstand: Nicht nur die Musicals in der Serie, quasi die „Musicals im Musical“, hatten mit Problemen vor und hinter der Kamera zu kämpfen, sondern auch die Serie an sich wusste, wie die Macher auch offen schon während der Dreharbeiten eingestanden, dass sie Probleme hatten, dass nicht alles so hinhaute, wie sie es sich wünschten und dass die Quoten (und damit die Zukunft) wirklich nicht rosig aussahen. Die Realität imitierte also die Kunst.

Und Megan Hilty, auch während der Verhunzung ihrer Rolle in der zweiten Staffel, imitierte Marilyn Monroe. Durchgehend, alle 32 Folgen lang. Das sollte sie ja auch, denn ihr Charakter Ivy Lynn sollte ja auch Marylin im Musical „Bombshell“ darstellen. Und Hilty lieferte von Beginn an, seit dem ersten Augenblick, in dem sie in der Serie auftrat, eine grandiose Performance ab. Pendelnd zwischen Norma Jean und Marilyn Monroe, zwischen Biest und Unschuld, zwischen verschmähter Tochter und aufstrebenden Star, zwischen Lebenslust und Lebensfrust, zwischen Drama und Comedy, schaffte es Hilty in jeder einzelnen Episode, ihre Figur für den Zuschauer greifbar zu machen und mit ihr mitzufühlen – womit Hilty bald zum Star der Serie wurde. Hilty hat eine erotische Ausstrahlung, die sehr nahe (wenn auch nicht komplett, zugegeben) an die von der Monroe rankommt. Und: Hilty widersetzt sich wohltuend dem Hollywood-Magerwahn.

Die Monroe.

Und jetzt die Hilty.

Weshalb die Schauspielerin und Sängerin auch von der New York Times im Rahmen ihres kleinen Auftritts im Musicals „Gentlemen prefer blondes“ tatsächlich mit der Monroe verglichen wurde. Das äußerliche beinahe identische Erscheinungsbild hilft da natürlich auch nicht unerheblich.

Verführerisch-naiv

Und die Hilty, das muss man auch sagen, die kann singen. Sollte sie auch, schließlich ist sie seit längerem schon ein sehr bekanntes Broadway-Gesicht und gilt als einer der talentiertesten Jungstars der Szene. Als vielversprechendster Newcomer. Nur leider schon seit einigen Jahren.

Dass es noch nicht zum ultimativen Star-Status gereicht hat, ist nicht ganz nachvollziehbar. Schon alleine deshalb, wenn man Hilty einmal singen gehört hat. Ganz im Stil von großen Broadway-Stars emotionalisiert (gibt es dieses Wort? WORD sagt nein…) sie sich durch ihre Songs, dass man gar nicht anders kann, als die erzählende Geschichte des Songs, die Emotionen selbst zu fühlen. Sie haucht, sie flüstert, sie ist energisch, sie ist verletzlich, sie ist verführerisch, sie ist melodramatisch. Und sie ist vor allem eines: Erotisch. Der Einsatz ihrer Stimme erinnert einmal mehr an Marilyn Monroe, einer Femme Fatale, die Diva und Naivität so perfekt vereint. Sowohl die Original-Songs von „Smash“ als auch Coverversionen macht sie zu ihren eigenen, drückt ihnen den Hilty-Stempel auf, der unvergleichbar ist (na gut, abgesehen von der Monroe halt) und die einen sofort in den Bann zieht. Man möchte sie küssen und umarmen und trösten und sich vor ihr fürchten gleichzeitig. Die vielleicht beste (gesangliche) Leistung bis dato lieferte Hilty aber abseits von „Smash“ ab, nämlich im Rahmen der „Billboard Live Studio Session“. Besonders „Be a man“ besticht durch Sensibilität und das Gefühl für das richtige Timing.

So wie Ivy Linn

So verwundert es auch nicht so sehr, dass Hilty im Kino-Biz vor allem auf Synchronisationen festgelgt ist (zum Beispiel die Singstimme von Snow White in „Shrek The Third“).. Weil die Gute mit ihrer Stimme wirklich sehr vielseitig einsetzbar ist. Bisschen schade ist das natürlich trotzdem, denn Hilty hat eine Präsenz, mit der sie ohne scheinbare Mühe zum Scene-Stealer wird. Kurzum: Smash hätte noch mindestens eine zusätzliche Staffel verdient. Sodass wir Hilty noch länger bewundern können. Aber vielleicht macht sie es ja ihrem Alter Ego Ivy Lynn nach und macht jetzt als Broadway-Star große Karriere. Sie hätte es wirklich verdient. Meine Stimme hat sie.

 

(c) NBC

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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