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Published on Juli 10th, 2016 | by Manuel Simbürger

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Warum wir Ronaldo hassen

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages ist die ganze Welt noch im absoluten Spannungs-Zustand, denn das EURO-Finale ist noch nicht gelaufen und wir wissen noch nicht, ob Portugal oder Frankreich als Sieger vom Platz gehen wird. Eins ist jedoch jetzt schon sicher: Christiano Ronaldo wird nach dem Match gehasst werden und einmal mehr einen Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. Egal, wie gut er spielt. Auch, wenn er seine Mannschaft zum Sieg führen sollte. Sogar, wenn er allein alle Tore schießen sollte. Weil den Ronaldo, den mag man einfach nicht – das hat vor kurzem mein Kollege Finn Rütten von stern.de ganz richtig festgestellt. Unter dem Titel „Das Ronaldo-Bashing ist einfach unerträglich“ schlägt er eine Lanze für den ohne Zweifel eitlen Portugiesen, der aber, und genau das wird sehr gerne vergessen, zu den besten Fußballspielern der Gegenwart gehört. Auch seine zahlreichen Charitys werden oftmals unter den Tisch gekehrt, dass er sich um seine Fans am Rasen kümmert, wird ihm als Egotrip ausgelegt. Letzteres stimmt wahrscheinlich auch, all den Hass, der Ronaldo im Netz entgegenschlägt, den hat er aber nicht verdient, Eitelkeit hin oder her. Ist Ronaldo ein Narzisst? Er macht zumindest diesen Eindruck. Wahrscheinlich. Aber Narzissmus, Eitelkeit und Arroganz kennen wir genüge von anderen Fußballspielern, Marko Arnautovic zum Beispiel oder vor allem Zlatan Ibrahimovic , der als Kind in den Selbstbewusstseins-Topf gefallen zu sein scheint.

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Ich möchte Rüttens Lanze-Brechen für Ronaldo also ein bisserl weiterführen und werfe mal die Frage in den Raum: Wieso hasst die Welt Ronaldo derart? Wieso wird ihm seine EItelkeit nicht verziehen, Ibrahimovic aber beispielsweise schon (oder zumindest schlägt dem die Ablehnung nicht in diesem Shitstorm-Ausmaß entgegen)? Ich hab mir mal Gedanken gemacht. Und ein paar mögliche Antworten gefunden:

1.. Ronaldo ist zu feminin

Fußball ist ein Männersport, nirgends sonst findet man Testosteron so geballt wie am Rasen. Das mag zwar gut sein für die eine oder andere Fantasie, für Männerbilder, die der gängigen Geschlechterrolle widersprechen, ist da aber nicht viel Platz. Fußballer gelten zwar als die neuen Sexsymbole und sind immer öfter auch als Models erfolgreich, Ronaldo aber treibt die Eitelkeit an die Spitze, indem er offen seine feminine Seite auslebt – oder zumindest, was von der Mehrheit als „feminin“ bewertet wird: Er stylt sich, lebt den Luxus, liebt Markenklamotten, sieht immer top aus, benutzt Kosmetik, hat einen Schuhtick. So wird er schnell als „schwul“ und „Mädchen“ diffamiert (das hat auch schon Beckham erlebt, der bis heute bei Fußballfans umstritten ist). In der Fußball-Welt ein absolutes No-Go. Hier müssen Männer noch die klassischen Männer sein.

2. Ronaldo ist zu schwul

Geht zwar Hand in Hand mit Punkt Eins, trägt aber noch zusätzlich zum Ronaldo-Bashing bei: Denn immer wieder gibt es Gerüchte um Ronaldos Sexualität. Er hätte heimliche Affären mit Männern, heißt es, Ronaldo gießt mit einzelnen Instagram- und Twitter-Postings (zum Beispiel Fotos, die ihn in Umarmung mit seinen „Ehemann“ zeigen) noch zusätzlich Öl ins Feuer. Das ist mutig, durchaus. Sympathiepunkte bei Fußballfans bringt ihm das aber keine ein.

3. Ronaldo ist zu hübsch

Auch wenn hier, hört man sich ein bisserl genauer um, die Meinungen durchaus auseinander gehen, gilt Christiano Ronaldo als hübscher Lackl. Als fescher Kerl und gar schönster Mann am Rasen. Männer empfinden andere attraktive Männer als Bedrohung, als Konkurrenz, wenn es um das Buhlen der Frauengunst geht. Schon alleine das macht ihn für viele (unbewusst) zum Unsympathen. Es ist aber bisschen komplizierter: Ronaldo verkörpert also zwar „das Schwule“, gleichzeitig aber auch den Frauenheld, der dem Durchschnitts-Typen das Mädel wegschnappt. Womit er für viele nicht zum Einordnen ist. Das verunsichert. Und führt zu Wut und Ablehnung.

4. Ronaldo ist zu reich

Cristiano Ronaldo ist laut der Goal Rich List 2015 der reichste Fußballer der Welt. Ganze 210 Millionen Euro kann der Real Madrid-Star mittlerweile sein Eigen nennen. Da dürften natürlich auch sein aktuelles Jahresgehalt von 18,2 Millionen Euro, seine rund 25 Millionen Euro umfassenden Werbe-Deals mit unter anderem Toyota, Emirates, Samsung und Emporio Armani sowie seine eigene Modelinie CR7 ihren Teil zu beigetragen haben – ganz zu schweigen von seinen diversen Immobilien. Und Geld erzeugt bekanntlich Neid. Vor allem bei einem, den man ja von vornherein nicht mag. Der eitle, ach so schöne, wahrscheinlich schwule Gockel verdient von allen Fußballspielern am meisten?! Das geht halt schon mal gar nicht.

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So – und nun gemma Fußball schauen. Und den Ronaldo hassen. Er hat’s ja anscheinend wirklich verdient.

 

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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