Haaaave you met ....?! 2016-22-12-15-21-54

Published on Dezember 28th, 2016 | by Manuel Simbürger

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Haaaave you met … Gerry Bradshaw?!

2016 war schrecklich genug. Zu viele große Künstler sind von uns gegangen, in den letzten Tagen des Jahres wird uns dann auch noch der Tod von den Großen George Michael und Carrie Fisher reingedrückt. Höchste Zeit also, kurz vor Jahresende wieder mal einen Blick auf die Nachwuchstalente zu werfen, die bereits in den Startlöchern scheren, um die Welt auf ihre ganz eigene Art und Weise zu erobern. Erinnern wir uns also daran, dass 2016 nicht nur ein Jahr der Tragödien und Schicksalsschläge war, sondern auch Gutes zu bieten hatte – wenn auch vielleicht nur im kleinen Rahmen und etwas versteckt. Wie zum Beispiel den Ganz-nah-am-Leben-Blog „Gays and the City“ von Gerry Bradshaw.

Als erstes: Nein, Gerry Bradshaw heißt nicht wirklich Gerry Bradshaw. Es ist ein Synonym, unter dem der 23-Jährige (Niederösterreicher? Steirer? Burgenländer? Tiroler? Er will’s einfach nicht sagen!) auf seinem Blog “Gays and the City” über sein (schwules) Leben in Wien schreibt. Das einzige, was wir von Gerry wissen, ist, dass er vor mehr als vier Jahren „aus einer Kleinstadt nach Wien“ zog, wie er erzählt, um dort Theater-, Film- und Medienwissenschaft zu studieren. Eigentlich wegen seiner Begeisterung für Film (been there, buddy!), im Laufe der Zeit sei er aber komplett in der Theaterwissenschaft aufgegangen (haven’t been there, buddy!), und die Medienwissenschaft habe es ihm mittlerweile auch ganz besonders angetan (been there….ach, egal).

2016-22-12-15-37-08Dass Gerry Bradshaw nicht mehr über sich verraten will, ist nachvollziehbar. Schließlich offenbart er auf seinem Blog kompromisslos seine Seele, öffnet sein Herz und manchmal auch seine Hose, denn in seinen Beiträgen geht es nicht nur um das Finden der großen Liebe, den Stellenwert des Smartphones in einer Beziehung oder wie es ist, im Flugzeug angeflirtet zu werden (der Gute hat anscheinend ein recht aufregendes Leben!), er erzählt auch offen und ohne sich ein Blatt vor dem Mund zu nehmen von seinem ersten Sex und sonstigen Abenteuern im Bett. Aber egal, welchem zwischenmenschlichen Aspekt sich Gerry annimmt: Er tut dies angenehm unangestrengt, unterhaltsam und vor allem authentisch. Dass seine Beiträge von ansprechenden (Wien-)Fotos begleitet werden, ist da natürlich ebenfalls kein Nachteil.

„Gays and the City“ ist natürlich, man mag es erahnen, von der Kult-Auch-das-ist-Feminismus-Serie „Sex and the City“ inspiriert. „Schon während dem ersten Schauen habe ich mich gefragt, ob es nicht möglich wäre, eigene Dating-Erfahrungen in ähnlicher Weise schriftlich auszuarbeiten“, erzählt Gerry über die Motivation, einen eigenen Blog zu starten. „In meinem Hinterkopf waren dementsprechend immer schon ein paar Ideen, was ich zu Papier bringen könnte.“ Klar, eine Carrie ist der Gerry noch nicht. Aber mit ein bisschen Übung und noch mehr Lebenserfahrung könnte das durchaus was werden. Bis dahin haben wir Spaß, ihn bei seinen Twentysomethings-Abenteuer zu begleiten und uns daran zu erinnern, wie es war, selbst mal jung gewesen zu sein. Okay, vielleicht hat Gerrys Blog ja doch nicht nur Vorteile.

 

Name: Gerry Bradshaw

Alter: 23 Jahre

Wie geht es Dir gerade: Ich habe den Vormittag damit verbracht, unter dem Vorwand, noch Weihnachtsgeschenke einkaufen zu müssen, neue Pullover und Skinny-Jeans geshoppt; Das Gefühlder damit einhergehenden Zufriedenheit wird hoffentlich noch ein bis zwei Stunden anhalten – bis ich es wage, meinen Kontostand abzufragen.

Meine Vorbilder: Es bleibt mir ja kaum anderes übrig, als die wunderbare, fiktive Kolumnistin Carrie Bradshaw, Protagonistin der Fernsehserie „Sex and the City“, zu nennen. Es muss zumindest eine großartige Sache sein, sich mit einem Artikel pro Woche eine Wohnung in Manhattan finanzieren zu können. Ich halte es aber doch eher für unmöglich, zusätzlich noch eine so große Sammlung an teurem Gewand anzuhäufen.

Das geht mir beim Schreiben meines Blogs durch den Kopf: Das variiert zumeist mit dem Thema, mit dem ich mich gerade befasse. Sobald es auch nur annähernd etwas mit Sex zu tun hat, ist es folgendes Mantra: „Bitte lass meine Eltern niemals über diesen Blog herausfinden, bitte, bitte lass meine Eltern nie-niemals über diesen Blog herausfinden, bitte…“

Meine wichtigste Nummer in meinem Handy ist …: …die meiner besten Freundin. Es ist nicht wie bei vielen Leuten eine der ältesten Freundschaften, und trotzdem ist es eine unheimlich enge. Wenn ich etwas ihr nicht erzählen kann, dann sollte ich es auch sonst besser Niemandem erzählen.

Der ungerechte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene unberechtigte Misserfolg – was ärgert Dich mehr und warum?
Wenn bei einer Mitschülerin oder einem Mitschüler damals in der Schulzeit ein Fehler in einem schriftlichen Test übersehen wurde, gehörte ich zumindest nicht zu denjenigen, die zum Lehrer gingen und darauf beharrten, aus Gerechtigkeit müsse der Fehler noch im Nachhinein korrigiert werden.

Was macht Dich trauriger unerfüllte Träume, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?
Wenn doch die Träume wenigstens in Erfüllung gegangen sind, dann versuche ich mit dieser Tatsache zufrieden zu sein.

Es beflügelt mich, wenn …: Was die Arbeit an meinem Blog betrifft, dann definitiv Kommentare und Feedback im Allgemeinen. Es ist gar nicht so einfach, einen Blog zu beginnen und die Motivation zu halten. Nur eine Handvoll meiner Freundinnen und Freunde wissen über das Projekt Bescheid, das heißt dann eben auch, dass meine Social Media Präsenz bei Null Followern begann (und wer folgt schon einer Person ohne Gesichtsfoto auf Twitter, die Null Follower hat?!).

Das ist neu und gut: Joanne, das neue Album von Lady Gaga.

Das ist neu und schlecht: Rechtsruck in Europa und großen Teilen der Welt.   

Das letzte Mal habe ich gelacht, als…:… ich mit meinen besten Freundinnen und Freunden gebrunchtund ich mit ihnen über die schlimmsten Nebenjobs, die man mal hatte, unterhalten habe. Von Automesse-Hostessbis hin zur als Wasserleiche geschminkte Akteurin in einer Halloween-Attraktion, war wirklich allerlei amüsanter Gesprächsstoff dabei.

Das letzte Mal habe ich geweint, als …: …ich das Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells gelesen habe. Sehr empfehlenswert, aber zeitweise eben auch sehr traurig.

Keiner würde denken, ich wäre sexy, wenn er wüsste…: … dass bei mir der Haarausfall bereits begonnen hat. Während mein Papa noch immer ziemlich volles Haar hat, musste ich natürlich die werdende Halbglatze mit Mitte zwanzig aus der Familie mütterlicherseits erben. Dann wiederum denke ich mir: Ich finde das bei anderen Männern auch kein großes Problem, ich sollte aufhören in der Hinsicht so melodramatisch zu sein.

Sex bedeutet für mich ….: Wenn man sich besser kennt: „intim sein“, „sich nahe sein“, „sich fallen lassen können“ und auch Experimentierfreudigkeit. Mit tendenziell Fremden dann doch meist: „Hoffentlich wird es ganz gut“. Sex mit Fremden ist bei mir in der Phantasie meist aufregender, als „in die Tat umgesetzt“. Ausnahmen bestätigen hierbei die Regel.

Liebe bedeutet für mich …: Das Gegenüber zum einen in seiner*ihrer Gesamtheit wahrnehmen zu wollen, die positiven und negativen Eigenschaften der Menschen zu sehen, zu akzeptieren und trotzdem nie aufzuhören, Facetten an dem*der Partner*in zu entdecken.

Wie leicht fällt es Dir, mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihm im Bett wäre? Manche Männer machen es einem da wirklich schwer. Vor allem solche, die es schaffen, subtile sexuelle Spannung aufzubauen. Aber was ist schon bei diesen lüsternen Gedanken groß dabei. Andersrum würde ich mich auf jeden Fall geschmeichelt fühlen.

Lebenslanger aufregender, absolut geiler Sex, dafür aber Führerschein aufgeben. Oder Führerschein behalten inklusive tolles Auto – was würdest Du wählen? Oder gibt es einen fairen Deal?
Da wird es mir jetzt aber sehr einfach gemacht. Wer braucht denn in einer Großstadt wie Wien wirklich ein Auto?! ;)

Von all den Sex and the City-Mädels bin ich am ähnlichsten ….: Wir können uns sicher alle darauf einigen, dass die optimale Kombination darin bestünde, mit Mirandas Ehrgeiz, Samanthas Sexleben, Charlottes Haaren und Carries Kleiderschrank gesegnet zu sein. Unabhängig davon, dass ich mich darin versuche eine Datingkolumne zu schreiben, halte ich mich aber tatsächlich für Carrie am ähnlichsten. Seit ich im Besitz einer Kreditkarte bin, wahrscheinlich auf schlechtmöglichste Weise…

Wenn ich einen Tag eine Frau sein könnte, dann …: Ich will es kaum aussprechen, aber… Ich würde womöglich der Person, in die ich in meiner Schulzeit heimlich (beziehungsweise mehr oder weniger „heimlich“) verliebt war, einen Besuch abstatten und überprüfen, ob ich als Frau bessere Chancen hätte.

Auf dieser Website bin ich zuletzt hängen geblieben: Natürlich wird das hier jetzt als Schleimerei wahrgenommen werden, aber tatsächlich auf popfenster.com – vor allem wegen der Artikel über die Interviews mit dem Orange is the New Black- Cast und mit der wundervollen Emma Watson.

Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen? Sowohl als auch. Man muss sich immer mal wieder Zeit nehmen nachzudenken und den Mut aufbringen, nachzuforschen. Aber was ist schon „Wahrheit“?

Besitzt der Mensch einen freien Willen? Gibt es Deiner Meinung nach einen Beweis dafür? Ich bin mir nicht ganz sicher, was hier als Beweis angeführt werden könnte. Aber die Tatsache, dass es Menschen gibt, die in Partnerschaften zusammenhalten, wenn eine*r der beiden alt und/oder krank wird, könnte als ein solcher Beweis dienen. Wer würde sie dazu zwingen? Und trotzdem geschieht es.

Meine Mama sagt immer …: „Hör auf mich zu zitieren!“

Das gibt es beruflich Neues bei mir: Ich bin endlich in einen Masterstudiengang eingeschrieben. Wir sagen das ja eigentlich am Liebsten den Deutschen nach, aber auch wir hier in Österreich betreiben genug Institutionen, die ein reinster Bürokratiedschungel sind. So richtig problemfrei war der Transfer nämlich nicht. Nun kann ich mich wenigstens ganz offiziell „BA“ nennen.

 https://gaysandthecity.com

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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