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Published on Dezember 31st, 2014 | by Manuel Simbürger

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The Comeback: Is this even real anymore?!

Gerade erst angefangen und schon wieder vorbei: Vergangenen Sonntag strahlte HBO das Staffelfinale der zweiten Season von „The Comeback“ aus. Eine Season, die beinahe so überraschend kam wie ein Beyonce-Album, an die keiner mehr so richtig glaubte und die doch so heiß und sehnsüchtig von sowohl Fans als auch Kritikern erwartet wurde. In den letzten beiden Folgen legte die Serie nochmal einen Zahn zu und zeigte sich von ihrer besten Seite – was in diesem Fall heißt: So ironisch, so spitzzüngig, so tiefgreifend, so mehrdeutig, so emotional, so echt war TV in der vergangenen Season selten. Die letzten beiden „Comeback“-Folgen waren sicherlich mit das Beste, was die TV-Unterhaltung uns in den letzten Monaten, vielleicht sogar Jahren, zu bieten hatte. Die Show rund um das um Aufmerksamkeit buhlende Starlet Valerie Cherish war in seinen beiden bisherigen Staffeln noch nie so pointiert wie in den letzten beiden Wochen – was bei dieser Serie was heißen will, denn „The Comeback“ ist bekannt für seinen ausgewogenen und gelungenen Mix aus Wortwitz, Situationskomik, Gesellschaftssatire und Charakterstudie. Der Cast rund um Lisa Kudrow gab nochmal alles, war in bester Spiellaune. Besonders aber Kudrow selbst bewies einmal mehr, dass sie die Figur der Valerie nicht nur so sehr verinnerlicht hat wie keine andere von ihr bisher dargestellten TV-Figuren (womit sogar Phoebe Buffay auf die Plätze verwiesen wird), sondern auch, dass sie zu den besten Schauspielerinnen unserer Zeit gilt – sowohl im Comedy- als auch, man höre und staune, im Dramafach. Denn die finalen zwei Wochen von „The Comeback“ (Episoden „Valere faces the Critics“ sowie „Valerie gets what she really wants“) lieferten beides auf höchstem Niveau.

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(c) HBO

No one’s gonna see it

„Valerie faces the Critics“ bewies einmal mehr, wie punktgenau und detailliert die Show Einblick hinter die Kulissen der TV- und Filmwelt gibt. Der Round Table mit den Journalisten, dem sich Valerie aufgrund ihrer Emmy-Nominierung als Best Supporting Actress stellen musste, bewegte sich herrlich am schmalen Grat zwischen Satire und Realität. Und auch HBO selbst, immerhin Muttersender der Serie, kriegt ohne Pardon sein Fett ab: „Not many people are gonna see it. It’s HBO“, stellt Valerie an einer Stelle beinhart fest und setzt ihr unermüdliches, tapferes Kriegerin-Lächeln auf, das besonders in der zweiten Staffel zu einer beinahe unterstörbaren Maske geworden ist, hinter der sich die krampfhaft optimistische Schauspielerin versteckt. Dieser Dialog ist so brutal und so selbstironisch, dass es beinahe weh tut: Das Comeback von „The Comeback“ wurde zwar von Kritikern und Fans begeistert aufgenommen, die breite Masse war an der Rückkehr von Valerie Cherish dann doch weniger interessiert: Durchschnittlich waren miserable 200.000 Zuseher dabei, um Valerie durch die verrückte Welt von Hollywood zu begleiten. Ob das für eine dritte Staffel ausreichen wird, bleibt abzuwarten und hängt wohl ausschließlich davon ab, wie sehr die HBO-Chefs die Serie und Kudrow selbst in ihr Herz geschlossen haben.

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(c) HBO

Dark Comedy

Schon seit Start der zweiten Staffel präsentierte sich „The Comeback“ runder, noch bissiger, noch mutiger, noch schmerzhafter und vor allem düsterer als im ersten Jahr. „The Comeback takes HBO Comedy to a new and darker level“ war da folgerichtig kurz nach Season-Start in Kritiken zu lesen. „It’s a dark comedy“ erinnert uns Valerie Cherish in „Valerie faces the Critics“ noch einmal, als sie über „Seeing Red“, die Show in der Show in der Show, spricht. Dabei warnt sie uns auch vor, was wir in den kommenden 45 Minuten noch erleben werden – nämlich das Highlight der gesamten Serie und vielleicht die beste schauspielerische Leistung, die Kudrow in ihrer Karriere bis dato geliefert hat. Oder um im Kritiker-Sprech zu bleiben: “THAT’S an Emmy-worthy performance!”

Wie so oft im Leben geben sich Erfolg und Unglück freundschaftlich die Hand: Während Valerie endlich als ernstzunehmende Schauspielerin anerkannt wird und für ihre Rolle in „Seeing Red“, wo sie eine Karikatur ihrer selbst spielt, sogar für einen Emmy Award nominiert wird, steht ihre Ehe vor dem Aus. Ehemann Marc kann mit dem ständig präsenten Kamerateam nicht mehr umgehen, fühlt sich hinten angestellt und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. In dieser Episode sucht Valerie, die erst aufgibt, wenn sie ihr Ziel bereits erreicht hat, in einem Restaurant die eheliche Aussprache – lässt sich zuvor aber abermals von Jane, der Regisseurin der Reality Show über Valerie (puhhh! Just watch the damn show!), überredet, sich dabei heimlich filmen zu lassen. Valerie willigt ein, hat sie doch in den letzten Wochen – Jahren? – verlernt, was es heißt, privat zu sein, eine Person zu sein abseits des Scheinwerferlichts, eine Person zu sein, die nichts mit der öffentlichen Persona Valerie Cherish zu tun hat. Wer ist die Privatperson Valerie Cherish? Schon lange hat sie sich in der Welt Hollywoods, in der das öffentliche Image alles ist, verloren – und man kann es ihr nicht verdenken: Da gibt es die ehemalige TV-Queen Valerie Cherish der späten 80er, frühen 90er Jahre. Die Bad Sitcom-Schauspielerin Valerie Cherish, die mit „Room and Bored“ verzweifelt versucht, an alte Erfolge anzuknüpfen. Dann gibt es die fiktive nervige Nachbarin im pinken Jumpinsuit aus „Room and Bored“ („I don’t wanna see THAT!“). Jene Valerie aus der Reality-Show „The Comeback“. Jene Valerie aus der neuen, noch ohne Titel versehenen Reality-Show. Nicht zu vergessen Mallory Church, die TV-Karikatur ihrer selbst aus „Seeing Red“.

Is there any part of you that’s even real anymore?

Dann sehen wir noch die Geschäftsfrau Valerie Cherish,  die alles unter einen Hut zu bringen versucht. Die FRAU Valerie Cherish, die sich in der Männer-Domäne Hollywoods behaupten muss. Die Neurotikerin Valerie. Die Kämpferin Valerie. Die Ehefrau Valerie. Die beste Freundin Valerie. Eine Valerie, die – man darf’s vermuten – sich aufgrund ihrer Karriere in der Vergangenheit für eine Abtreibung entschied, wie wir in dieser Episode erfahren. Die betrogene Ehefrau Valerie, die zuliebe ihres Mannes seiner Geliebten sogar ein herzhaftes Essen auf den Tisch stellt, um den Job von Marc nicht zu gefährden. Auch das erfahren wir in dieser Episode. Diese Offenbarungen kommen plötzlich, unerwartet, das Kamerateam hält beinhart drauf. In diesem Moment beginnt die tapfere, stets optimistische Fassade Valeries zu bröckeln. „That was a mistake“, stammelt sie, als sie tollpatschig versucht, ihr verstecktes Mikrofon abzuschalten – ohne Erfolg. „Is this even real?“, fragt Ehemann Marc, als er realisiert, dass ihr Gespräch weiteres Material für Valeries Reality-Show ist. „Is there any part of you that’s even real anymore?“ Darauf hat Valerie keine Antwort. „This is for our love story“, bringt sie noch entschuldigend hervor. Ob sie die Love Story in der Reality Show oder ihre tatsächlich reale Ehe meint – auch diese Antwort bleibt sie uns schuldig.

(c) HBO

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Wer glaubt, das war schon intensiv genug, der sollte jetzt Taschentücher bereit halten – denn die vollste emotionale Intensität erreicht die Szene erst, als Marc und Valerie ihren Streit vor dem Restaurant weiterführen – und dabei kompromisslos von TMZ-Reporter belagert werden. Und das erste Mal ist es Valerie egal, wie sie nach außen hin wirkt, gibt die Zügel ihres öffentlichen Images aus der Hand. Verletzt geht sie in die Verteidigung über, erinnert Marc daran, wie oft sie ihn bereits unterstützt hat und gibt uns Zusehern so Einblicke in die Vergangenheit des Paares. Diese Unterstützung würde sie von ihm aktuell vermissen, wirft sie ihm vor. „The Comeback“ wäre aber nicht „The Comeback“, würde der Streit einseitig ausfallen und die Täter-Opfer-Rolle, das Schwarz-Weiß-Bild klar verteilt werden. Wie im echten Leben auch sind auch in „The Comeback“ am Zerbrechen ihrer Ehe beide Partner schuld, und Marcs Argumente, er würde mehr und mehr zu einem Protagonisten in Valeries Reality-Show-Welt degradiert, sind nicht von der Hand zu weisen. Genau deshalb löst diese Szene so großes Unbehagen aus – weil wir uns darin selbst wieder erkennen.

I’m not no one!

Und dann folgt die Stelle, die uns das Herz stehen bleiben und uns, ähnlich wie Valerie, die Tränen in die Augen schießen lässt: „I was there for you even when nobody believed in you!“, schleudert Marc ihr wutentbrannt entgegen. Das ist der Moment, in dem Valerie ihre Maske endgültig fallen lässt und beinahe zusammenbricht. „No one? Really, Marc?!“, setzt Valerie entgegen und der Schmerz spiegelt sich in ihrem Gesicht. Was nun folgt, fasst auf brillante, emotionale und pointierte Art das gesamte Konzept, die Message der Show zusammen: „Not no one! Because I believed in me! I’m not no one. That’s not nice! Maybe you think I’m not someone but I have a birth certificate that says I am. Maybe you should talk to the Television Academy because they think I’m someone. Okay?! They think I’m someone!“ Verzweifelt wendet sie sie sich an die Filmcrew: „This is going nowwhere!“

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In diesem Augenblick realisieren wir, dass wir in all den Folgen von „The Comeback“, in all den sogenannten privaten Momenten von Valerie, in all dem Footage-Material ihrer Reality-Show niemals die echte Valerie Cherish zu sehen bekamen. DAS ist die echte Valerie Cherish. Eine Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen ihrem ausgeprägten Selbstwert und dem Verlust ihres Selbst-Bewusstseins. Eine Frau, die tapfer jeden Witz, der über sie gemacht wird, jede Ungerechtigkeit gegen ihre Person erträgt, um ein positives Bild von sich in der Öffentlichkeit zu bewahren. Die süchtig nach Aufmerksamkeit und Erfolg ist und plötzlich erkennt, dass diese Sucht ihr Leben zerstört hat. Wenn Valerie sich auf ihre Geburtsurkunde bezieht, ist das ein Akt der Verzweiflung: Um zu beweisen, dass sie „jemand“ ist, dass sie eine echte Person aus Fleisch und Blut ist, zieht sie den ursprünglichsten Beweis heran, den ein Mensch nur haben kann: die Urkunde der eigenen Geburt. In diesem Dokument ist ihre Existenz bewiesen, auch wenn sie sich schon selbst lange verloren hat. Und wenn sie die Emmy-Jury ins Spiel bringt, dann beweist dies einmal mehr, dass Valerie ihren Selbstwert daraus bezieht, wie andere sie sehen. Dass sie sich über ihren Beruf definiert. Und doch ist sie kein Opfer, sondern eine Kämpferin: Auch wenn sie sich verloren zu haben scheint, hat der Glaube an sie selbst sie die letzten Jahre aufrecht erhalten. Als Marc dieses größte, persönlichste Gut ihr wegzunehmen droht, kämpft sie um diesen Glauben wie eine Löwin. Gleichzeitig trifft sie die Selbsterkenntnis wie ein Schlag ins Gesicht: Als sie sich an die Kameracrew wendet, erkennt sie, dass dies alles „nirgends hinführt“: ihre Ehe, das ständige Verfolgt-Werden von Kameras, der Ruhm. Obwohl sie auf der Höhe ihres Erfolges ist, scheint Valerie in eine Sackgasse geraten zu sein.

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Eine Comedy war selten düsterer als in diesem Moment.

This is the biggest night of my life!

„The Comeback“ war von Beginn an eine Reise zu dem Inneren seines Selbst, die Suche Valeries nach ihrem Selbst. Diese Reise und die immer stärker werdende Selbsterkenntnis wird im Staffelfinale „Valerie gets what she really wants“ konsequent weiter und – sollte dies das Serienfinale gewesen sein – auch glorreich zu Ende erzählt.

Der Titel scheint es schon anzudeuten: Valerie ist endlich dort, wo sie schon immer hin wollte. Kollegen und Kritiker lieben sie, für den Emmy werden ihr beste Chancen eingerechnet. Das wird mehrmals im Laufe der Episode betont. „This is the biggest night of my life!“, wiederholt Valerie beinahe tantra-artig immer wieder, als sie sich auf die Emmy-Verleihung vorbereitet. Sie sollte Recht behalten und auch der Episodentitel hält sein Versprechen ein – wenn auch in beiden Fällen anders, als wir alle – und vor allem Valerie – angenommen hatten.

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Als Valerie während der Emmy-Verleihung (die für die Episode täuschend echt nachgestellt wurde) die Nachricht bekommt, ihr krebskranker bester Freund und Hair-Stylist Mickey sei zusammengebrochen und ins Krankenhaus eingeliefert worden, fasst sie binnen Sekunden eine Entscheidung – und es ist Kudrows darstellerischer Leistung zu verdanken, dass wir in diesem Moment in Valeries Gesicht wie in einem Buch lesen können. All der Glamour rund um sie, all die Anerkennung der Kollegen, der mögliche Emmy-Triumph, die Reality-Show – alles scheint ihr plötzlich fremd zu werden. Entschlossen und doch voll innerlicher Panik verlässt sie die Award-Show und fährt zum Krankenhaus. Wenn Valerie in Abendgarderobe (die einmal mehr ihren eigenwilligen Modestil unterstreicht), High-Heels und perfekten Haaren und Make-up in strömenden Regen zum Taxi eilt, erinnert uns das an beste „Sex and the City“-Zeiten: Valerie ist ein Großstadt-Mädchen, das zwar den Verführungen der City immer wieder zu erliegen droht, aber letztlich doch das Herz am rechten Fleck hat. Lässt sie sich vor Beginn der Verleihung noch buchstäblich auf Händen tragen, um das Outfit nicht zu ruinieren, scheint sie ihr Äußeres nun nicht mehr zu interessieren, ja gar darauf zu vergessen. Durchnässt, voller Angst und doch immer noch ein freundliches Wort auf den Lippen kommt sie im Krankenhaus an. Mickey geht’s gut, es waren die Medikamente, die Behandlung schlägt an, auch wenn er sich schonen muss. All dies wird realistisch in Szene gesetzt, ohne viel Kitsch, ohne Hintergrundmusik – und geht gerade wegen diesem Realismus so sehr ans Herz.

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It did happen!

Im Krankenzimmer von Mickey begegnet sie auch Marc. Beide Männer sind überrascht, sie hier zu sehen, aber Valerie versichert, genau an dem Ort zu sein, wo sie sein will. Gemeinsam sehen sie sich die Emmys im TV an – und Valerie gewinnt tatsächlich. Die Freude ist groß, und doch hat man das Gefühl, die Auszeichnung, die Ehre und den Respekt, den Valerie endlich zu spüren bekommt, rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Trotz sichtlichem Schock in den Knochen spricht Valerie Mickey Mut zu, und wir erkennen, dass dieser krampfhafte Optimismus, den Valerie immer wieder an den Tag legt, nicht nur für sie, sondern auch für die Menschen rund um sie herum bestimmt ist. Valerie mag egozentrisch sein, eigenwillig, kompliziert und stößt so manches Mal ihrem Gegenüber vor dem Kopf. Ja, vielleicht ist sie auch in manchen Momenten egoistisch. Aber sie weiß, wem sie ihren (mehr oder minder ausgeprägten) Erfolg zu verdanken hat, dass sie ohne ihre Freunde, ihre Familie, ja auch ihre Arbeitskollegen im Dschungel Hollywood nicht überleben könnte. Valerie tut alles, um zu überleben, um das Beste aus jeder Situation zu machen – dabei strauchelt sie zwar, aber gerade das macht sie menschlich. Sie weiß: Wenn sie nicht stark ist, dann ist es ihre Entourage, ja wahrscheinlich auch ihr Ehemann, auch nicht. Dann fällt alles um sie herum zusammen. Also kämpft sie. Und lächelt, auch wenn ihr nicht zum Lächeln zumute ist.

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Am Ende der Episode verlassen Valerie und Marc Hand in Hand das Krankenhaus. Die Zeichen für ihre Ehe scheinen wieder auf Erfolgskurs zu stehen – und wohl auch für Valeries Karriere. Aber Valerie hat sich verändert, scheint sich endlich selbst gefunden zu haben. Sie ist nicht mehr dieselbe wie zu Beginn der Episode. Das erste Mal ist sie sprachlos, als sie Marc in Mickeys Krankenzimmer trifft, hat keine sarkastische Bemerkung oder Witz auf Lager. Die Reaktion auf ihren Sieg enthält, obwohl eigentlich krankhaft ehrgeizig, bemerkenswerterweise nicht das Wörtchen „win“: „It did happen! It happend!“ Hat sie die Nacht zuvor noch Mühe, in ihrer geübten Emmy-Dankesrede alle Menschen, denen sie danken möchte, in 30 Sekunden unterzubringen (hier wird uns Fans auch endlich wieder die lang ersehnte Kühlschrank-Montage als Reminiszenz an die erste Staffel präsentiert, fällt ihr dies in ihrer improvisierten Dankesrede im Krankenzimmer nicht mehr schwer: Ohne zu überlegen dankt Vaerlie nur Mickey und Marc, den „two most important men in my life“. Sie hat erkannt, wo ihre Prioritäten liegen. Das mag zwar konservativ sein (Familie vor Karriere), ist im Fall Valeries, die seit zwei Jahren mit Füßen getreten wird und dabei immer tapfer lächelt, aber einfach nur herzerwärmend und man wünscht der Heldin nur das Beste. Das wichtigste ist aber, dass wir Valerie nun endlich überhaupt als Heldin wahrnehmen.

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Zu erwarten, Valerie würde zukünftig ihre Karriere an den Nagel hängen, scheint nicht realistisch: Als Marc Valerie fragt, ob sie noch auf eine Emmy-Party möchte, antwortet diese lapidar: „Uh, have wie met?!“ Die Akzeptanz, das Finden ihres Selbst bedeutet gleichzeitig auch, dass Valerie beide Seiten in ihr zu akzeptieren zu beginnen scheint: die erfolgssüchtige Schauspielerin genauso wie die Privatperson. Es scheint ihr nun endlich zu gelingen, beide Seiten zu vereinen. Und doch: Die Balance dürfte zukünftig ausgewogener ausfallen. Als Marc zum Schluss der Episode fragt, wo denn eigentlich Jane (und die Kameracrew) sei, schreckt Valerie auf: „Oh… I totally forgot about Jane.“ Und in diesem Moment wird uns bewusst, dass in den letzten Minuten der Episode – und vielleicht der gesamten Serie – „The Comeback“ vollkommen neues Terrain betreten hat: Zum allerersten Mal sehen wir Valerie Cherish nicht durch die Augen der Reality-Show-Kameras, besteht die Show nicht aus (wenn auch gefaktem) Footage-Material. Die Kameraeinstellungen sind nicht mehr wackelig, nicht mehr unpräzise, sondern präsentieren uns wie aus dem Lehrbuch perfektes „cinematic frame“. Wir sehen Valerie weit weg abseits der Reality-Kameras und lernen eine treue und fürsorgende Freundin und Ehefrau kennen, die zugleich auch am Höhepunkt ihrer Karriere angelangt ist. Das – im wahrsten Sinne des Wortes – Bild, das uns hier von Valerie präsentiert wird, wackelt nun nicht mehr. Ihr Leben auch nicht.

Das Leben einer Heldin, der tatsächlich ein Comeback gelungen ist – und zwar in allen Lebensbereichen.

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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