TV broadchurch-cast

Published on Dezember 25th, 2014 | by Manuel Simbürger

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Die besten Binge-Watch-Serien für die Holidays

Was gibt es Schöneres, als während der Feiertage gemütlich auf der Couch des elterlichen Wohnzimmers zu liegen, sich mit Keksen vollzufressen, im Hintergrund flackern die Kerzen des Christbaums und man zieht sich ohne schlechtes Gewissen eine TV-Serie nach der anderen rein?!

Okay, da wäre noch die Zeit mit Familie und Freunden, das Kuscheln mit den Katzen, das Auspacken der Geschenke, das Leuchten in den Augen der Kinder, …. Aber ihr wisst, was ich meine.

Weil wir uns heute dank diverser Screening-Möglichkeiten nicht mehr in einer TV-Diktatur befinden und wir uns nicht mehr vorschreiben lassen, wann wir welche TV-Serie und wie viel Folgen am Stück schauen sollen/dürfen/können (TV-FREIHEIT FÜR ALLE!), hat sich Binge-Watching in den letzten Jahren zu einem etablierten Sport in der Bevölkerung entwickelt. Sprich: so viel Fernschauen, bis der Arzt kommt. Das haben natürlich die Briten erfunden, und wie all die anderen Dinge aus Brittanien ist auch Binge-Watching eine echt coole Sache: Schaut man sich mehrere Folgen, eine gesamte Staffel oder gar die gesamte Serie am Stück an (okay, ein Wochenende darf man sich dafür schon Zeit nehmen…oder die Weihnachts-Feiertage halt) eröffnet sich einem die Serien-Welt auf viel vielfältigere, spannendere und schlicht interessantere Welt, als wenn man die Story nur häppchenweise genießt. Man taucht tiefer in die fremde Welt ein, versteht Zusammenhänge besser, erlebt Charakterentwicklungen intensiver mit. Der Sucht-Faktor entfaltet seinen Rausch in vollster Intensität, die Helden wachsen uns noch mehr ans Herz und vor allem ist man nicht genötigt, eine Woche zu warten um zu erfahren, wer denn nun lebt oder tot ist, ob sie seinen Heiratsantrag annimmt oder ob er tatsächlich der verschollene böse Zwillingsbruder ist.

Serien der letzten Jahre, u.a. House of Cards, The Walking Dead oder Game of Thrones, haben sich im Storytelling dem Binge-Watching-Trend angepasst: Cliffhanger werden nur noch gezielt eingesetzt, die Handlung ist dichter, die Figurenzeichnung komplexer, abgeschlossene One-Week-Episoden findet man immer seltener. Es gibt aber auch einige Serien, die zwar bereits einige Jährchen am Buckel haben, trotzdem ihre Kunst der Unterhaltung und des Geschichten-Erzählens am besten im Binge-Watching-Marathon entfalten.

Folgend gibt’s 5 jener Serien, die Euch die Weihnachts-Feiertage zusätzlich vielleicht nicht unbedingt versüßen, auf jeden Fall aber spannender machen. Weil manchmal muss man auch vor der idyllischsten Christbaum-Atmosphäre einfach nur fliehen.

1. The Slap

“The Slap” ist eine australische Mini-Serie (Note: Mini-Serien sind per se am besten Binge-Watching tauglich!) und dreht sich voll und ganz um eine einzige emotionale und vor allem spontane Handlung, die aber große Wellen schlägt: Der Familienvater Hector gibt dem Sohn eines befreundeten Paares eine Ohrfeige. Das finden aber nicht alle Familienmitglieder, die sich allesamt auf einer Gartenparty befinden, gut, womit die Ohrfeige weitreichende Konsequenzen nach sich zieht. Jede der acht Episoden wird aus der Sicht einer anderen Figur erzählt, womit es möglich wird, die Ausgangshandlung – also die Ohrfeige – eindrucksvoll differenziert zu erzählen. “The Slap” erhielt mehrere Auszeichnungen und war sogar für den “Emmy” nominiert. Aktuell wird an einem US-Remake, u.a. mit Zachary Quinto, gearbeitet.

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2. Broadchurch

Eine weitere Serie, von der es zwar eine US-Version gibt (hier gibt sich Breaking Bad-Star Anna Gunn die Ehre), man sich aber trotzdem an die gelungenere Original-Version (in diesem Fall Großbritannien) halten sollte: Im Kuhdorf Broadchurch wird ein 11-jähriger Junge tot aufgefunden. Bald es klar: Es war Mord. Nur wer war es? Weil am Land bekanntlich jeder jeden kennt, ist in Null Komma Nix das gesamte Dorf verdächtigt, inklusive der Vater des Jungen. Die beiden Polizisten (das beste Ermittlerpaar seit Scully und Mulder, jedoch erfreulicherweise ohne jeden erotischen Funken), die dem Fall zugewiesen werden, stehen vor einem Rätsel, das immer verworrener wird, denn in Broadchurch scheint wirklich jeder ein dunkles Geheimnis zu haben … In bester Twin Peaks-Manier wird die Whodunnit-Frage an die Spitze getrieben und findet erst im Finale der ersten Staffel seine – aufmerksamen Zuschauern vielleicht nicht ganz überraschende – Auflösung. Broadchurch ist ein gelungener Mix aus Krimi, Drama und britischen Humor und zieht einen von erster Minute an in seinen Bann.

(c) ITV

3. Breaking Bad

Die Wandlung Walter Whites vom Durchschnittslehrer zum gefürchteten Drogenboss gehört zu den besten Charakterzeichnungen, die die TV-Landschaft seit jeher hervorgebracht hat. Um wirklich tief in die Psyche von White eintauchen zu können und sich vom (nicht immer so) stillen Horror der Serie einfangen zu lassen, sollte man sich alle fünf Staffeln am Stück anschauen – um sich am Ende erstaunt zu fragen, wie es mit den Helden eigentlich so weit kommen konnte. Man kann draus auch ein Trinkspiel machen: Jedes Mal, wenn Jesse die Wörter “Bitch!” oder “Fuck!” sagt, wird ein Stamperl geleert. Nix für Anfänger – aber das ist die Serie wohl auch nicht …

(c) AMC

(c) AMC

4. The Comeback

Die Meta-Showbiz-Philosophie von Lisa Kudrow ist vielleicht nicht immer ganz behaglich anzusehen – zu sehr wird dafür der Hauptfigur übel mitgespielt – aber genau das soll es ja auch nicht sein: The Comeback ist eine schonungslose Satire auf die Glitzerwelt Hollywoods, vollgepackt mit Insider-Jokes und einem solch spielefreudigen Cast, wie man es selten gesehen hat. Lisa Kudrow präsentiert uns hier einmal mehr eine einmalige und unvergessliche Frauenfigur, die einen zugleich für sich einnimmt und doch abstößt. Eine der klügsten Comedys der letzten Jahre. Und mit dato nicht ganz zwei Staffeln auch locker an einem Binge-Watching-Tag zu bewältigen.

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(c) Showtime

5. How I Met Your Mother

Für Binge-Watching-Profis sei die Kult-Sitcom HIMYM empfohlen, die insgesamt 208 Folgen umfasst und ein beinahe undurchdringbares Netz an Foreshadowing, Insider-Jokes, Querverweisen und Running Gags aufweist. Wer sich am Stück aufs Ted Suche nach “der Einen” einlässt, kann in bester melancholischer Stimmung noch mal miterleben, wie die Gang rund um Womanizer Barney erwachsen wird, wann welcher Gag seinen Anfang nahm und welche Verweise auf die titelspendende Mutter am Ende tatsächlich ein großes und rundes Ganzes ergeben und welche dann doch in eine Sackgasse führten. Kleiner Tipp: Besonders sentimentale Fans sollten vielleicht nach der vorletzten Folge das Binge-Watching beenden. Denn das Serienfinale könnte die Lust auf zukünftiges Binge-Watching für immer verderben …

(c) CBS

(c) CBS

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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