Cinema cruel-intentions

Published on Oktober 22nd, 2015 | by Manuel Simbürger

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“Cruel Intentions” geht in Serie!

Wenn man mich fragt, welcher denn mein Lieblingsfilm sei, muss ich mal überlegen. Nicht nur, weil ich sowieso ein Mensch bin, der nicht sehr entscheidungsfreudig ist (die Auswahl ist ja schließlich echt grooooß!), sondern weil ich nicht genau weiß, was ich nun sagen soll. Klar, da gibt es “The Hours”, “Closer” oder auch “Fight Club”. Filme, die ich liebe. Diese Antwort bringt einem Respekt ein, meist zumindest.

Würde ich aber einzig und allein mein Herz und nicht auch mein Gehirn (und meinen Stolz) antworten lassen, dann würde ich voller Begeisterung und verklärtem Blick heraussprudeln: “Eiskalte Engel!” Ja, das hätte wahrscheinlich mitleidiges Lächeln zur Folge. Aber es ist nun mal so: Die 1999er-Teenie-Verfilmung des französischen Klassikers “Les Liaisons dangereuses” zaubert mir ein Grinsen auf die Lippen, lässt mein Herz hüpfen und das Feuer in meinem Lendenbereich entfachen.

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“Cruel Intentions”, so der Originaltitel, ist einfach DER ultimative Teenie-Hit – nein: mittlerweile Kult-Klassiker! -, der wie kein anderer aus seinem Genre gekonnt mit Humor, Drama und Erotik spielt, diese miteinander vemixt und sich dabei selbst nicht allzu ernst nimmt – aber doch ernst genug, um das geneigte Publikum mitfiebern zu lassen. Dabei scheut der Film nicht zurück, Tabus zu brechen, hyper-erotisch zu sein und auch seiner Zeit weit voraus zu sein (rememeber Kathryn’s feminist speech?!).

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Die Story ist juicy – Twincest! Highschool-Drama! Catfight! Erwachen der Seuxalität! Intrigen! Drogen! Upper Class! Herzschmerz! – , die Bilder schön und sexy, der Cast überragend und mit einer ansteckenden Spiellaune bei der Sache: Die junge Reese Witherspoon ist beinahe perfekt in der Rolle der unschuldigen Annette, Ryan Philippe war als Bad Boy-mit-gutem-Herzen nie sexier (und überzeugender) als hier, sogar Selma Blair macht hier Spaß und man wünscht sie sich nicht sofort auf den Mond. Und natürlich Sarah Michelle Gellar, damals in ihrer Rolle als Vampirjägerin Buffy am Höhepunkt ihrer Karriere, die die Rolle der intriganten und verführerischen Kathryn mit jeder Faser ihres Körpers nicht nur spielt, sondern spürt und somit jede Szene mit ihr zu einem wahren Vergnügen noch. Christine Baranski in einer Nebenrolle rundet den Schauspielerreigen noch ab (und ja, auch Joshua Jackson ist dabei, falls es jemanden interessiert) – was will man denn bitte schön mehr?!

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Jetzt sexelt der Nachwuchs

Die Antwort scheint nun der US-amerikanische TV-Sender NBC zu haben. Denn dieser hat nun öffentlich bekannt gegeben, eine offizielle Fortsetzung von “Cruel Intentions” in Auftrag gegeben zu haben – und zwar in Serienform!

Whhaaaattt??!!! Ich wusste doch immer, dass es einen Seriengott gibt.

Laut tvline.com soll im Mittelpunkt der Handlung Bash Casey stehen – und der ist kein geringer als – ACHTUNG! ACHTUNG!! ACHTUNG!!! – der Sohn von Sebastian und Kathryn.

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Just kidding.

Bash entspringt natürlich der Liebe zwischen Sebastian und Annette. Denn die waren ja bekanntlich glücklich, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Aber lange genug, um anscheinend ein Kind miteinander zu zeugen. Wann genau, wissen wir nicht. Vielleicht war’s ja schon beim ersten Mal ein Treffer – schließlich hat es Sebastian auch geschafft, Annette davon abzubringen, auf die Ehe zu warten. Wer weiß also, was der Hengst noch alles so beim ersten Schuss zusammenbringt.

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Vielleicht ist Annette aber schon beim bloßen Anblick des nassen Sebastian schwanger geworden – ich könnt’s verstehen:

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Was wir von NBC noch erfahren haben: Bash Cansey zog von Kansas City nach San Francisco, nachdem ihm die legendären Tagebücher seines Vaters in die Hände fielen und er sich entschloss, seinen Wurzeln nachzugehen.  Bash schreibt sich auf eine Elite-Universität ein – und ist somit drauf und dran, die Legende seines umtriebigen und legendären Vaters wieder aufleben zu lassen …

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Klingt nicht schlecht, wenn ich das so ganz und gar überhaupt nicht subjektiv sagen darf. Ein Nachwuchs von Sebastian und Annette, von dem wir bisher nichts wussten und der – hoffentlich – ganz nach seinem Vater gerät?! Das schreit doch bereits nach DEM Herzensbrecher der kommenden TV-Saison, ganz im Stil eines Chuck Bass oder eines Hank Moodys. Die TV-Landschaft verzehrt sich bereits nahezu nach einem  neuen sexy Jüngling, der hinter seiner arroganten, harten – und sexy – Schale einen weichen und verletzten Kern verbirgt, der nichts anderes als gerettet und aufgetaut werden will …

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Seufz.

Was das alles aber noch besser macht: Der Plot (oder zumindest jene Teile, die wir bis jetzt kennen) scheint in Bezug auf “Cruel Intentions” nicht nur tatsächlich Sinn zu machen, sondern am Film auch anzuknüpfen: Dass Bash Cansey aus Kansas stammt, ist nachvollziehbar, da auch Mama Annette in diesem Kaff aufwuchs, bevor sie zur tugendhaften Socialite in NYC wurde. Auch, dass die Serie nicht im Big Apple spielt, steht in keinem Widerspruch zum Film – schließlich endete dieser damit, dass Annette, gezeichnet von Sebastians Tod und nach der Rache an Kathryn, in Sebastians Flitzer aus NYC flieht – und vielleicht in San Francisco ankam, um ein neues Leben zu beginnen, bereits ihren ungeborenen Sohn unter dem Herzen tragend?!

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Kuckucks- oder Aptionskind?!

Natürlich gibt’s da aber auch noch einige – bewusst – ungeklärte Fragen, deren Antworten hoffentlich mit der Serie beantwortet werden. Zum Beispiel wär’s interessant zu wissen, wieso Bash den Nachnamen Cansey trägt anstatt Hargrove (die Mama) oder gar Valmont (der Papa)?! Kann es sein, dass Annette aus Schmerz wegen dem Verlust ihrer großen Liebe ihren ungeplanten Sohn zur Adoption freigab, um sich vollends von den dramatischen Ereignissen loszusagen? Oder lachte sie sich mal schnell einen gutgläubigen Typen in San Francisco an, den sie ehelichte und ein Baby unterschob, um die Affäre mit Sebastian zu verbergen?! Schließlich galt Annette als die Sauberfrau der New Yorker Upper Class – ein uneheliches Kind macht sich da natürlich nicht gut, vor allem, wenn man die Society-Leiter weiter hinaufklettern möchte.

Mir gefallen beide Möglichkeiten – tendiere aber trotzdem zu Variante 2. Weil diese stärker an das Ende des Films anknüpft, der andeutet, dass Annettte nicht mehr das unschuldige Good Girl mit fixen Prinzipien und Moralvorstellungen ist, sondern sich die Psychospielchen von Sebastian und Kathryn einverleibte und somit die “dunkle Seite” in sich entdeckt. Zudem hat sie Sebastians verloren geglaubte Tagebücher bei sich – die Rutsche zur neuen Serie könnte also nicht deutlicher gelegt werden.

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Wie auch immer: Man darf erwarten, dass Bash, der Arme, eine Menge zu tun haben wird, um sich mit seiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen, aufzuarbeiten und – hoffentlich – auch weiterzuführen. Schließlich sind weder Mama, Papa noch Stieftante die herkömmlichen Verwandten, die man normalerweise in seinem Familienstammbaum findet.

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Nicht der erste Versuch einer Wiederbelebung

Zwar lässt es einem doch verwunderlich zurück, dass “Cruel Intentions” auf  NBC und nicht auf Zielgruppen-geeigneteren Sendern wie CW, MTV oder ABC Family läuft. Die Hoffnung auf einen Knaller ist aber trotzdem gerechtfertigt: Am Drehbuch zum Serienpiloten sind niemand anderes als “Cruel Intentons”-Autor und -Regisseur Roger Kumble sowie der Originalproduzent Neal H. Moritz maßgeblich mitbeteiligt. Das war’s aber noch nicht: Auch Lindsey Rosin un Jordan Ross, die Macher hinter der “Unauthorized Musical Parody of Cruel Intention”, welche in Los Angeles ein großer Hit war und die sich auch die Originalstars Gellar, Blair und Witherspoon nicht entgehen lassen wollten, sind ebenso mit an Bord.

Streng genommen ist die Story rund um Bash Casey (dieser Name!!) nicht der erste Versuch, “Cruel Intentions” zu einem Franchise auszubauen: 2000 und 2004 folgten die direct-to-DVD-Movies “Cruel Intentions 2″ und “Cruel Intentions 3″. Der zweite Teil war als Prequel zum Originalfilm angelegt und sollte eigentlich selbst zu einer TV-Serie ausgebaut werden. Hat nicht geklappt (trotz Mitwirkung einer auch hier mehr als überzeugenden Amy Adams!), weshalb der endgültige Film nichts anderes als die ersten beiden Auftaktfolgen der ursprünglich geplanten Serie darstellt. Der Film fiel bei Kritik und Fans gleichermaßen durch (“unoriginell!”), kam aber immer noch besser an als der vollkommen missglückte dritte Teil, der nur noch lose mit dem Originalfilm zu tun hatte.

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Wiedersehen mit Gellar & Witherspoon?!

Wir dürfen uns also auf “Cruel Intentions – Die Serie” durchaus freuen. Ich erwarte mir einen soliden “Gossip Girl”-Nachfolger, der aber noch tabubrechender und erotischer daherkommt. Ein Muss: intensive Blicke, larger-than-life-Drama, zeitlose Lebensweisheiten (“Keep your friends close but your enemies closer!”), jede Menge Herzschmerz und ein toller Soundtrack (Placebo, The Counting Crows, The Verve, anyone?!)  - schließlich sollte man dem Mutter-Film gebührend Respekt zollen. Apropos Mutter und Respekt und so: Cameo-Auftritten von Gellar als Stieftante Kathryn und natürlich Witherspoon als Bashs Mutter sollte nichts im Wege stehen – sollte es tatsächlich einen Seriengott geben …

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Bilder: (c) Columbia Pictures

 

 

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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