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Published on Mai 28th, 2016 | by Manuel Simbürger

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Aguilera & Grande: Diven-Showdown

Es war der Abend der Christina Aguilera: Nicht nur, dass ihr “The Voice”-Schützling Alison Porter (genau … die süße “Curly Sue” ist das!) die zehnte Jubiläums-Staffel der Gesangswettbewerb-Show für sich entschied, mit diesem Sing brach Xtina auch den “girls curse”, den bisher weder sie noch Gwen Stefani noch Shakira brechen konnten: Immer gingen die männlichen Jury-Kollegen (vor allem Blake Shelton) mit der Trophäe am Ende der Staffel nach Hause. Nun hat also endlich ein weiblicher Juror gewonnen, noch dazu eine, die selbst den Spitznamen “The Voice” trägt. #girlpower twitterte die Aguilera folgerichtig noch am selben Abend voller Stolz und Freude und wahrscheinlich einem noch größeren Ego, als die Gute sowieso schon mit sich herum schleppt. Von Beginn an war aller Orts die Rede davon, die Jubiläumsstaffel würde La Aguilera für sich entscheiden. Bevor sie sich wieder ihrer eigenen Musikkarriere widmet. Und dann noch der aus der Versenkung (und sonstigen Untiefen) wieder aufgetauchte Kinderstar Porter … Das passt alles so gut zusammen, da mag man fast schon skeptisch werden. Sind wir natürlich nicht. Und ich schon gar nicht. Weil “The Voice”-Anwälte und so. Egal.

Wie dem auch sei: Einen besseren Abschied von “The Voice” konnte sich Aguilera gar nicht wünschen. Denn nicht nur, dass sie dank Alison Porter an diesem Abend in aller Munde war – auch ihr Überraschungs-Duett mit Pop-Girlie Ariana Grande sorgte für weltweiten Gesprächsstoff. Weil wirklich so gar keiner davon wusste. Und weil viele bis jetzt nicht wissen, was sie davon halten sollen. Die Aguilera polarisiert eben. Und das ist gut so.

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Dangerous mother & daughter

Zu Beginn trällerte Grande durchaus talentiert, aber schlussendlich halt dann doch sehr brav und glatt ihren aktuellen Hit “Into you.” Man wähnte bereits einen weiteren Durchschnitts-Pop-Auftritt an diesem Abend, denn auch Kollege (und Ex-One-Direction-Hottie) Zayn Malik (der immer noch ein Hottie ist) blieb mit seiner Performance der aktuellen Singe “Like I would” hinter den Erwartungen. Dann aber, gerade als man glaubte, die Grande trippelt Mariah-like leise von der Bühne, kommt es zum großen Diva-Showdown: Aguilera betritt, scheinbar aus dem Nichts und den Überraschungseffekt bis zur Grenze ausnutzend (sehr ähnlich wie vor Jahren bei Lady Gaga und Maroon 5 – die Gute liebt eben große Auftritte!), die Bühne und stimmt in Grandes durchaus gelungenen Erotik-Song “Dangerous Women” ein. Und was für ein Einstand das war: Mit gewaltiger Stimmpower, sexy-elegantem Outfit und unterstützt von zahlreichen feschen Tänzerinnen lässt Xtina keinen Zweifel daran, wer hier von den beiden Gesangskehlchen tatsächlich die “dangerous woman” ist, mit deren Naturgewalt die Welt rechnen muss. Das scheint auch Girlie Ariana schnell zu merken: Bis dahin noch stimmlich eine mehr als solide Leistung abgelegt, scheint sie unsicher zu werden, sobald ihr großes Idol Christina Aguilera die Bühne betritt. Ihre Stimme zittert hier und da, nicht jeder Ton sitzt mehr. Am Ende lacht sie – erleichtert.

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Aguilera fühlt sich hingegen natürlich wohl und ist ganz und gar in ihrem Element: Schließlich wird einem erst im direkten Vergleich mit dem (relativen) Pop-Newcomer Grande klar, dass Aguilera bereits seit bald 20 Jahren (!) im Business ganz oben mitmischt – und sich mittlerweile, auch wenn’s mit den Charts nicht mehr klappen mag, einen Legenden-Status erarbeitet hat. Ende der 90er-Jahre war Aguilera das junge süße Popgirlie, ähnlich wie die Ari heute, halt nur im Fahrwasser all der Britney-Look-a-likes, die gezielt Erotik mit Mädchencharme verbindet, trotz toller Stimme sich den Respekt aber erst erarbeiten muss auch selbst erst herausfinden muss, wohin der Musik- und Image-Weg eigentlich gehen soll. Heute, sechs Grammys später, hat sich La Aguilera als eine der größten Talente des Musikbiz etabliert, als legitime Nachfolgerin von Whitney (ebenfalls “The Voice”) Houston, als Super-Diva und Super-Zicke, aber auch als eine Künstlerin, die Millionen von Nachwuchs-Gesangtalente inspirierte und den Stil des “Oversingings” (mehr oder weniger) wieder salonfähig machte.  Aguilera gehört mittlerweile tatsächlich zu den “alten Hasen” – was einen selbst plötzlich sehr alt fühlen lässt. Apropos: Stimmlich ergeben die beiden ein durchaus interessantes Gesamtkonstrukt, das nicht sofort ins Ohr gehen mag, aber bei genauerem Hinhören mehr als gelungen und breit gefächert ist: Das glockenhelle Stimme von Grande trifft auf die tiefe Alt-Gesangsstimme von Aguilera, was das unterschwelligen Mutter-Tochter-Image noch mehr unterstreicht. Typisch Aguilera: Sie macht Grandes Song zu ihrem eigenen und verleiht genau dieses Gefühl von Gefahr, in dem es im Song geht, der bei Grande (noch) fehlt. Ähnlich wie Whitney hat Aguilera die Gabe, mit Songs tatsächlich eine Geschichte zu erzählen und so die darin besungenen Emotionen einen tatsächlich spüren zu lassen.

Und wieder mal fragt man sich: Wieso ist die Aguilera immer dann am besten, wenn sie NICHT ihre eigenen Songs singt?! Und sollte sie sich vielleicht mal um bessere Song-Writer und -Producer umsehen?!

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WOW – WTF?!

Obwohl Ariana Grande als “nächste Mariah Carey” gehandelt wird (wie übrigens auch Aguilera zu Beginn ihrer Karriere), wurde beim gemeinsamen Auftritt recht schnell klar, dass sie mit der Mama-Diva nicht mithalten kann: Aguilera hat sich stimmlich sichtlich zurück gehalten, um ihrer jungen Kollegin nicht die Show zu stehlen (was die durchaus in einem sympathischen Licht erscheinen lässt). Aber auch, weil Grande noch der Mut, die Erfahrung und vor allem die Bühnenpräsenz fehlt. Das könnte aber durchaus noch werden, sie ist ja noch jung und Talent hat sie. Der Imageunterschied zeigte sich auch im Outfits der beiden Diven: Während sich die brünette Grande im blütenweißen Hosenanzug zeigte, präsentierte sich die platinblonde Aguilera im schwarzen Gegenstück und wilder Haarmähne. Bisserl wirkte Aguilera wie die stolze (Puff-)Mutter von Grande, die gemeinsam mit dem Töchterlein zeigt, was Erotik und Frauenpower wirklich bedeutet. Das ist irritierend und anziehend, verwirrend und interessant zugleich. Im Publikum macht sich noch lange nach der Performance ein Gefühl breit, das sich irgendwo zwischen “Wow, that’s history!” und “WTF did I just wittness?!” ansiedelt. Gut so: Aus diesem Stoff werden schließlich legendäre Performances geschaffen.

Noch legendärer wäre das Ganze aber gewesen, wenn die beiden sich gegenseitig live auf der Bühne imitiert hätten. Das können Sie nämlich. Zumindest die Grande die Aguilera, aber auch die ist ja im Stimmen-Nachmachen echt gut unterwegs. Wieso ist denn da, bitteschön, keiner draufgekommen?! Shame on you, “The Voice”-People!

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Aguilera, die Gastsängerin

Interessant ist, dass das Grande-Aguilera-Duett eigentlich eine Notlösung war und innerhalb von zwei Tagen auf die Beine gestellt wurde (was man zum Teil an den eher patscherten Kameraführungen und den doch sehr kurzen Auftritt von Aguilera merkte): Geplant war nämlich ein Whitney Houston-Tribut der ganz besonderen Art: Aguilera sollte gemeinsam mit einem Houston-Hologramm deren Klassiker “I have nothing” und “I’m every woman” zum Besten geben. Die Houston-Family war, obwohl nicht nur höchstpersönlich in Auftrag gegeben, sondern sogar Aguilera selbst für diese Ehre auserkoren, vom Endergebnis dann doch ganz und gar nicht begeistert – und verbot kurzerhand die Ausstrahlung. Verständlich, muss man zugeben: Das Hologramm wurde der Legende Houston nicht gerecht, und irgendwie umgab das Ganze einfach einen (zu) starken creepy flair. Wenn schon ein Whitney-Tribut, überhaupt mit ihrer Quasi-Nachfolgerin, dann sollte schon wirklich alles perfekt stimmen.

Für Aguilera war das Duett mit Grande wahrscheinlich die klügere Entscheidung – denn, obwohl eine Bigger-than-live-Performance abgeliefert, hat sie für das Houston-Tribut einiges an Shitstorm entgegen nehmen müssen: Sie sei die falsche Entscheidung für solch ein Tribut, da sollte man schon bei Größen wie Beyonce oder Jennifer Hudson anfragen, hieß es. Und nicht mal live hätte sie gesungen, so die Meinung vieler Fans, die den geleakten Auftritt auf YouTube kritisch beäugten. Und eben dieses verdammt creepy Hologramm ….

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Aber auch gemeinsam mit Grande wurde Aguilera, die es einfach niemals allen Recht zu machen scheint (und es auch gar nicht will), kritisiert: Stimmlich sei sie nicht auf der Höhe gewesen, schimpften viele. An der Chart-topping Grande wolle sich das “alte Eisen” Aguilera doch nur profilieren, nicht mehr. Besonders letzterer Kritikpunkt hängt schon seit geraumer Zeit Aguilera nach – und könnte tatsächlich, passt sie nicht auf, zum weiteren Stolperstein in ihrer ohnehin schwächelnden Karriere werden: In den letzten Jahren konnte Aguilera nur als Gastsängerin (mit Maroon 5, Pitbull und A Great Big World) erfolgreiche Hits abliefern, auch auf der Bühne machte sie vor allem mit Duetten (allen voran der grandiose und unvergessliche Auftritt mit Lady Gaga!) auf sich aufmerksam. Sogar auf ihrem letzten Album “Lotus” holte sich Aguilera – mit leicht verzweifeltem Unterton – Unterstützung ihrer  “The Voice”-Kollegen Blake Shelton und Cee Lo Green. Aktuell soll sie sehr an einem gemeinsamen Duett mit Superstar Beyonce interessiert sein – und auch, wenn das auf den ersten Blick wie ein real gewordener feuchter Traum aller Diven- und Musikliebhaber (und aller Gays) klingt, wünscht man es sich für Aguilera, dass dies nichts mehr als ein Gerücht ist: Denn noch mehr als bei Pitbull oder Maroon 5 wäre bei so einem Duett mehr als offensichtlich, wieso sich Christina Beyonce ins Boot holt – und wer von den beiden mehr von der Kooperation profitieren würde. Wenn Bey dann Xtina auch noch stimmlich in die Schranken weisen würde (oder diese alles tun würde, um Beyonce übertrumpfen zu wollen), wäre auch noch das ohnehin bereits bröckelnde “The Voice”-Image der Sängerin dahin …

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Die Welt fragt sich: Ist La Aguileras Stern schon so weit gesunken, dass sie es ohne Unterstützung von prominenten – und vor allem erfolgreichen – KollegInnen nicht mehr auf die Reihe bekommt?! Wenn sie es geschickt anstellt, könnten all die Duette der letzten Jahre – eben auch jenes mit Grande – aber auch Aguileras Karriere wieder angekurbelt, die junge Generation wieder auf sie aufmerksam gemacht haben. Klar ist: Es wird wieder höchste Zeit, dass sich Aguilera auf ihre eigene Musik und auf ihre Vermarktung als eigenständige Künstlerin konzentriert – alles andere würde ihr nicht gerecht werden. Der erste Schritt ist schon gemacht: Ein neues Album soll noch 2016 erscheinen. Mit oder ohne Gastsänger, ist noch nicht bekannt …


Fotos: Screenshots / YouTube, NBC, Twitter

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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