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Published on Februar 21st, 2015 | by Manuel Simbürger

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„A bissl Chaos, oder?“

Der Song Contest hat nun endgültig begonnen: Heute Abend präsentierte der ORF im Rahmen einer Hauptabendshow – zumindest sollen wir naiven Zuseher das glauben – die 16 Kandidaten, die in Conchitas hochhackige und ohnehin nur sehr schwer zu füllende Fußstapfen treten sollen.

Man sollte ja meinen, dass sich der ORF, der Öffentlich-Rechtliche, das Gesetz, der Übervater, sich so richtig ins Zeug legt, wenn es um den größten Gesangswettbewerb in Europa handelt. Wenn dieser Gesangswettbewerb in Wien ausgetragen wird. Wenn dieser Gesangswettbewerb vom ORF übertragen und, quasi, organisiert wird.

Das tut der ORF auch, das muss man schon betonen. Hinter den Kulissen rennen’s jetzt schon alle sehr aufgescheucht herum und tut keiner mehr ein Auge zu. Nein, der ORF bemüht sich schon.

Nur leider ist Bemühen halt manchesmal nicht gut genug.

Was uns hier in der ersten Vorausscheidungs-Show, die den originellen Titel „Eurovision Song Contest: Wer singt für Österreich?“ trug, präsentiert wurde, war sicherlich gut gemeint, ließ aber bei den Chimps-mampfenden Couchpotatoes zuhause kein Gefühl der Anerkennung und der Vorfreude, sondern eher ein Gefühl des Verwunderns, der Ärgernis und vor allem des unglaubwürdigen Kopfschüttelns zurück.

Meinen die das ernst?!

Nicht nur, dass man eine Jury aussuchte, die keinerlei Chemie untereinander aufweist und über große Strecken unsympathisch wirkt, der ORF versuchte allzu zwanghaft, modern, lässig und cool zu wirken – und wir alle wissen, was dabei rauskommt, wenn der Öffentlich-Rechtliche modern, lässig und cool sein will. Anstatt sich auf die Kandidaten zu konzentrieren und dem Publikum genug Zeit und Raum zu geben, sich selbst eine Meinung zu bilden, wollte die Show alles, und das am besten zugleich und so schnell wie möglich und überhaupt: Split Screens verhinderten ein Aufkommen jedes harmonischen Gefühls, Szenen wurden durcheinander, übereinander und untereinander geschnitten. Während die Jury noch zwanghaft nach netten Worten suchte – in betont lässiger Couchpotatoe-Umgebung (was wohl symbolisieren sollte, dass wir alle die Jury sind und der ORF eben wie wir ist) -, quatschte Na-no-na-ned-Moderatorin Miriam Weichselbraun schon mit den nächsten Kandidaten und wusste dabei eigentlich auch nicht so recht, mit welcher Frage sie nun Spannung aufkommen lassen soll. Das kann man vielleicht noch alles hinnehmen. Was aber wirklich für Unverständnis sorgt, ist, dass man die Auftritte der Kandidaten ständig mit pseudo-gescheiten Kommentare von „Experten“ (u.a. eine PR-Dame und Eric Papilaya, der 2007 beim ESC schon im Halbfinale ausschied) sowie mit Gequatsche der Couch-Jury immer wieder unterbricht. Die halten im Großen und Ganzen alles und alle natürlich supertoll, man will ja an der Entscheidung des ORF nicht zweifeln.

Natürlich ist klar – und allzu offensichtlich -, wieso sich der ORF in der Show so sehr auf Experten-Kommentare fokussierte: Man will nach dem Vorjahr, als man sich intern und abseits der Öffentlichkeit dazu entschied, Conchita zum Wettbewerb zu schicken, den Auswahlprozess des ESC-Acts so transparent wie möglich machen. Welche Aspekte muss ein Künstler mitbringen, um beim ESC erfolgreich zu sein? Gibt es Genres, die mehr Chancen beim Wettbewerb haben als andere? Prinzipiell ist diese beinahe schon dokumentarisch angehauchte Idee eine gute – hätte man sie strukturierter und weniger chaotischer umgesetzt. Denn durch das ständige Unterbrechen der Auftritte hatte man als Zuseher eher das Gefühl, der ORF würde seinem Publikum nicht zutrauen, selbst beurteilen und bewerten zu können. So wurde uns auf penetrante Art und Weise fremde – und ach sooo gescheite! – Meinungen aufgedrückt. Von der Experten-Riege kam nur Andi Knoll sympathisch rüber. Aber der Andi würde ja sogar sympathisch rüberkommt, wenn er öffentlich seine Mami beschimpfen würde.

Und die Kandidaten selbst? Die waren über weite Strecken langweilig. Im Grunde war kein einziger dabei, der uns den Schas heuer wieder gewinnen könnte. Kathi Zechner betonte im Vorfeld bereits, dass es in der Show auch und vor allem darum ginge, die Vielfalt der österreichischen Musikszene zu zeigen. Das ist gelungen, vielfältig war die Auswahl zweifellos. Dass aber unter dem Fokus auf diese Vielfalt auch die Qualität und vor allem die Frage, wer dieser Acts eigentlich wirklich ESC-tauglich ist, leidet, daran haben die ORF-Macher eher nicht gedacht.

Kurz: Hoffen wir, dass das große ESC-Projekt mit der Vorausscheidungs-Show bloß Startschwierigkeiten hatte. Ansonsten gilt wohl: Wenn der ESC so wird wie der TV-Vorausscheid, wird es der schlechteste und peinlichste Song Contest aller Zeiten werden.

Weil man aber immer dem Volk die Stimme geben soll, hier die besten Reaktionen auf die ORF-ESC-Show in den Sozialen Medien:

-          Hab grad gehört dass das ORF Kundentelefon schon vor Beschwerden über das Experten Gequatsche heiß läuft…

-          Ich weigere mich zu glauben, dass DAS die österreichische Musikszene ist. Der heutige Abend geht in die Geschichte ein als Castingshow mit den schlechtesten Kandidaten ever. Ever. Ever.

-          Ich finde die Auswahl war gut. Die Favoriten waren von Anfang an relativ klar. Johann Sebastian Bass basst  Dawa ist auch gut!

-          miriam weichselbraun, die geißel gottes. #esc15

-          null respekt vor dem song contest

-          (Fast) alles furchtbar -.-

-          gott sei dank macht aber susi mit! J

-          Des is jetzt aber net wahr, dass die beim Voraussscheid permanent in jeden Song mit Schnitten zu den Juroren reinquatschen??? Dem ORF ist echt nicht mehr zu helfen..

-        Für des Zahl i gis  und was ich auch nicht versteh Boss hoss? ? Hat Österreich sonst keine Künstler das ma die brauchen?? Und wer War die alte in da runde? ?kennt die wer??

-          Folkshilfe fand ich gut :-) 

-          Was bitte ist das denn für ein Müll?! Am Anfang wird betont, dass es um die Musik und die Künstler geht…und dann werden die Songs durch dämliche Kommentare zerstückelt. Das ist schlimmer gemacht als viele Privatsender Casting-Shows

-          #fremdschämfaktor

-          Das ist echt nur peinlich… ich muß mich so fremdschämen. BossHoss ist ja in Ordnung, deren Kommentare machen auch Sinn.. aber die Leute die neben der Bühne stehen, das geht gar nicht.

-          a bissl chaos oder …

-          Hab mir grad den Schnelldurchlauf angeschaut – ich fürchte, das wird ganz bitter für Österreich… nächstes Jahr bewerb ich mich

-          Wobei das mit dem schwitzen lag ich unterm Tisch von lauter lachen

-          Ganz großes Lob! Wir in Deutschland sind nach Lena’s Triumph endgültig eingeschlafen. Peinlich unser Vorentscheid! Ihr wagt hingegen was Neues. Bin echt begeistert!

-          Schön wäre, wenn man die Leute auch mal singen hören würde. Stattdessen redet ständig jemand drüber, damit sich das Publikum ja nicht selber eine Meinung bildet.

-          Mehr Dorffest als #esc15 #wsfö

-          Was ich mich frage ist warum man uninteressante Leute irgendeinen Unsinn daherquatschen läßt während die Bands/Künstler performen. Absolut nervig, seltsame Regie wiedermal.

-          Sau peinlich die Sendung

-          Ich find die ganze Acts passen nicht zum Song Contest! Es tut mir leid aber die kann man nicht ernsthaft auftreten lassen auf der Österreichischen Song Contest Bühne

-          Wow der ORF legt es wohl nicht an wieder zu gewinnen alkes 0815 außer Johan iwas bass

-          Gut, den Titel können/wollen wir nicht verteidigen, aber #JohannSebastianBass würde das Heimspiel würdig zelebrieren. #esc15

-          Können wir nicht einfach wieder Conchita schicken? #esc15

-          Fazit: Dieses Jahr gewinn ma den Schas nicht.

Autsch.

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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