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Published on April 8th, 2015 | by Manuel Simbürger

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„Die Vorfreude ist mega!“

ESC-Experte Mario R. Lackner über den Song Contest in Wien, The Makemakes und Conchitas Biographie.

 

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Mario R. Lackner ist Buchautor, Journalist, Politikberater, Creative Consulter  - und ESC-  Fan. Sein Buch „Conchita Wurst backstage“ eroberte 2014 die Bestsellerlisten, als ESC-  Experte ist er in Österreich seit Jahren gefragt. Weil: Der Lackner, der ist ein lebendes ESC-  Lexikon. Der Song Contest, das ist sein Leben. Ist doch gut so. Seit Wochen schwebt er auf    Glückwolken, taumelt als Glücksbärchi durchs Leben und erwartet sehnsüchtig die große  ESC-Show in der Wiener Stadthalle im Mai. Das ist dann für einen wie Mario R. Lackner  sowas wie Geburtstag, Ostern, Weihnachten und Sexorgie zusammen.

Und wenn sich jemand so sehr auf etwas freut, dann bitte ich ihn natürlich zum Interview.

 

Du arbeitest gerade an einem „60 Jahre ESC“-Projekt. Kannst Du bitte mehr drüber erzählen?

Es ist ein Mammutprojekt – als ob ein Traum wahr wird, den ich gar nicht gewagt hatte zu träumen. Gemeinsam mit meinem Co-Autor Oliver Rau habe ich die Arbeit, Ehre und das Vergnügen, eine groß angelegte Retrospektive auf 60 Jahrgänge Eurovision Song Contest zusammenzustellen. Das an die 500 Seiten starke Buch ist als Zeit(geist)maschine angelegt, das schon jetzt auf Twitter und Facebook unter dem Hashtag #60JAHREsongcontest seine Schatten vorauswirft. Rückwärts in der Zeit durchfliegen wir alle 6 Jahrzehnte und 51 Teilnehmer-Nationen. Auf dieser Reise durch Europas Pop-Geschichte begegnen uns Interviewpartner*innen, die vor und hinter der Kamera das weltweit größte Musikfestival mitgeprägt haben. Einige Namen haben wir bereits im Fotoalbum auf der Facebook Seite der Eurovision Fans – OGAE Austria veröffentlicht. Da sind einige Überraschungen mit dabei!

Conchita Wurst ist bei diesem Projekt, trotz Anfrage, nicht dabei. Dein Kommentar dazu?

Ihr Manager René Berto hat unsere Interviewanfrage noch nicht beantwortet –  und wie heißt es jedes Jahr so schön beim Voting gegen Ende der ESC-Finalshow? „Nothing is decided yet!“

Hast Du Conchitas Biographie bereits gelesen?

Ich habe das Ghostwriter-Werk, das in Gesprächen zwischen dem Autor und Tom Neuwirth entstanden ist, noch nicht gelesen, denke aber (nachdem ich einige seiner bisherigen Publikationen quergelesen habe), dass es ein profundes Werk darstellt. Eine ideale Ergänzung zu „Conchita Wurst – backstage“, in dem Irving Wolther und ich das Phänomen Wurst nochmal aus ganz anderen Perspektiven beleuchtet haben.

Was erwartest Du dir vom diesjährigen ESC?

Drei hoch professionelle TV-Abendshows, die der ORF in Kooperation mit einem transnationalen Team mit langjähriger Erfahrung stemmen wird. Das Motto „Building Bridges“ wird mit viel Gespür umgesetzt werden und die Menschenrechtsagenda der EBU an 200 Millionen Zuseher*innen übermitteln, die schon 2014 live aus Kopenhagen eine Nacht für Frieden und Freiheit bestaunen durften. Noch dazu ist der heurige Chef-Choreograf für alle 40 Beiträge Marvin Dietmann. Er hat schon Conchitas Siegesperformance inszeniert – da kann echt nix mehr schief gehen, ja, im Gegenteil: Es wird ein Feuerwerk für die Sinne! Die Vorfreude ist mega.

Was hältst Du davon, dass Australien dieses Jahr erstmalig mitmischt?

Es hat sich schon aufgedrängt, nachdem Australien 2013 und 2014 schon Teil des Rahmenprogramms war. Offenbar verfolgt die EBU damit die Strategie, die Show zu globalisieren und auch die Qualität der Pop-Produktionen zu heben, die auf der ESC-Bühne zu bestaunen (manchmal immer noch zu belächeln) sind. Sony Music Australia steuert mit Guy Sebastian einen super etablierten und starken Act bei. So stelle ich mir Best Practice vor, so wird der ESC noch mehr zu der postmodern-zeitgeistigen Show, zu der er durch Siege von Lena 2010 und Loreen 2012 geworden ist!

Eine Prognose bitte: Wer wird dieses Jahr den ESC gewinnen?

Hättest du mir diese Frage vor exakt einem Jahr gestellt, dann hätte ich Conchita nicht auf meiner Shortlist gehabt. Bei einem derart starken, radiotauglichen Starterfeld steht und fällt alles mit dem perfekt passenden und mit Feingefühl umgesetzten Showkonzept. Das steuerte Marvin Dietmann 2014 bei Österreichs Proben in Kopenhagen bei und schwups war mir klar, dass Conchita triumphieren wird. Der österreichische Fanfavorit Israel schmierte im Gegenzug ab und blieb sogar im Semifinale hängen, weil die Show völlig überladen war und dadurch die Power des Songs hemmte. Jedenfalls werden wir in Wien exzellenten Song/Sänger*innen-Kombis aus Norwegen und Schweden sehen, denen man ungeschaut beste Chancen einräumen kann. Litauen, Slowenien, Estland kann ich auch weit vorne sehen, Italien wird mit seinem Pop/Klassik-Bombast auch mitmischen. Tja und wie schon 2014 habe ich auch einen sehr stillen Geheimfavoriten. 2014 wurde von vielen im Vorfeld Hollands „Calm After The Storm“ übersehen, heuer würde ich anraten, auch mal den Clip von Ungarn auf sich wirken zu lassen ;-)

Wer sind Deine diesjährigen Lieblinge unter den Kandidaten?

Nicht alle (wie z.B. Frankreichs Friedenshymne oder das herrlich trashige Stück aus Moldawien), aber die meisten. Übrigens ragt für mich heuer kein Stück dermaßen heraus, wie es 2012 mit Loreens „Euphoria“ gewesen ist. Ich hoffe, dass Marvin Dietmann mit dem Showteam vor Ort aus allen Beiträgen das Beste rausholt, sodass wir zum ersten Mal seit 2003 ein richtig knappes, spannendes Voting sehen werden!

Deine Meinung zu The Makemakes und „I’m yours“? Hattest Du einen anderen Favoriten?

Ich freu mich immer über innovative Kreativprojekte am Puls der Zeit, daher hätte ich die Mizgebonez nicht schon in der ersten Qualifikationsrunde ausgesiebt und ihnen einen saugeilen Track auf den Leib geschneidert. Trackshittaz meets Laing würd ich da sagen – Mizgebonez hatten echt Potenzial! Bodenständige Musiker und bestes Handwerk begegnet uns in The Makemakes. Eine wunderbare Nummer, top interpretiert, vielleicht noch ohne Amish-Hut in der letzten halben Minute des Auftritts im Finale in der Wiener Stadthalle – und zing – Österreich darf sich auf eine solide Top-Ten-Platzierung freuen! Gratulation, ORF! Sehr gelungen! Toi toi toi :-)

Der ORF- ESC-Vorentscheid wurde sehr differenziert aufgenommen, viele waren mit der Machart der Show und der Auswahl der Kandidaten nicht zufrieden. Deine Meinung?

Wenn wir als Creative Consultingstudio Traumsieberei OG hinzugezogen worden wären, dann hätte das Angebot in der finalen Vorentscheidungsshow noch mutiger und zeitgeistiger ausgesehen. Die internationalen Juryvotings waren ein bisserl patschert inszeniert (man merkte einfach, dass die Jurysprecher*innen in einem Nachbarstudio stehen und nicht in Schweden, Australien oder sonstwo). Summa summarum aber Hut ab vor diesem gelungenen Relaunch Österreichs Vorentscheid, in dem Nazar als kompetenter Coach herausstach, der nächstes Jahr vielleicht mit ESC-Expertin Karin Pointner die Vorauswahl der Acts vornehmen sollte, um das hohe Niveau nochmals einen Deut zu heben!

Lange waren Johann Sebastian Bass die Favoriten des Vorentscheids. Wieso haben sie dann doch nicht das Rennen gemacht?

Richtige Band mit passender Show und falschem Lied geht sich leider nicht aus. Trackshittaz lassen grüßen!

Was hältst Du von der Moderatorinnen-Auswahl Weichselbraun-Kiesbauer-Tumler-Wurst?

Der reduzierte und wunderbar konzentrierte Song Contest 2013 live aus Malmö hat mit einer Moderatorin wunderbar geglänzt. Conchita im Greenroom ist perfekt, Arabella als Master of Ceremony ebenso. Die beiden anderen Moderatorinnen hätten die Semifinali bespielen können – das wäre mal ein ganz neuer Zugang gewesen, der sich lohnt zum 60er ausprobiert zu werden, nicht wahr?

Man könnte, unterhält man sich mit manchen Personen und verfolgt man die Medien, meinen, dass der ESC das wichtigste Thema der Gegenwart ist. Ist der ESC wirklich so bedeutend – und nicht einfach eine weitere Musikshow (wenn auch die größte Europas)?

Ja, er ist einfach eine Musikshow und ja, er ist viel mehr als das. Er befindet sich in seinem 60. Jahr, er verbindet jährlich halb (bis 2003) bzw. (seit 2004) fast ganz Europa für einen Abend durch ein friedliches Austauschen von Musik von Punkten. Genau diese Zwitterstellung ist so spannend, genau dieser Frage gehen wir auch in unserem Buch #60JAHREsongcontest auf den Grund, das im Juni 2015 erscheinen wird und das als Urlaubslektüre und Weihnachtsgeschenk einlädt, sich das ganze Spektakel doch noch einmal etwas näher anzusehen, um dann zu erahnen, was es tatsächlich für Europa ist. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den Jubel-Contest aus Wien und lade hiermit alle von Herzen ins EuroFanCafé ein, in dem ich in der Song-Contest-Woche unglaubliche Konzerte von Stars aus Vergangenheit und Gegenwart der weltweit größten Show ansagen werde. Mit den Worten von Gaitana aus der Ukraine: „Welcome, people, be my guest!“

Und hier gibt’s noch mehr ESC. Have fun!

 

Copyright Bilder: ORF, beigestellt

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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