TV Unknown

Published on März 19th, 2016 | by Manuel Simbürger

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Charmed: Die Sache mit dem Reboot

I am all the way in for the 90s-nostalgia-train. Wirklich. Abgesehen von der Mode waren die Neunziger cool und der Trend, Film- und Serienklassiker des vorigen Jahrzehnts wiederzubeleben, ist zumindest nicht die schlechteste Idee, die Hollywood in den letzten Jahren hatte. Beim Wiedersehen der Tanner-Family zum Beispiel, beim Fürchten mit Mulder und Scully oder demnächst auch der sexy Rettungsschwimmer von Malibu werden Kindheitserinnerungen wach.

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Jetzt allerdings wurde bekannt, dass CBS die Pläne von 2013, nämlich die Kult-Hexenserie „Charmed“ wiederzubeleben, erneut aufgenommen hat. Wäre cool, wenn’s eine Fortsetzung wäre. So wie bei „Akte X“ zum Beispiel. Oder meinetwegen auch wie bei „Fuller House“. Da wäre nicht nur viel Potenzial vorhanden, auch alle Schauspielerinnen (sogar Shannen „Ich hau gern aus Hitserien ab“ Doherty!) wären allesamt an Bord, um „Charmed“ neues Leben einzuhauchen, wie sie alle auf Twitter mehrmals mehr als Deutlich Kund taten.

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Aber nein. CBS hat sich dafür entschieden, die Serie einem Reboot zu unterziehen. Heißt: Neuer Cast, neue Storys, aber selber Grundplot. Also Schwestern (diesmal sind’s vier, nicht mehr drei), die erfahren, dass sie Hexen sind. Und fortan gegen allerlei Gesindel aus der Hölle antreten müssen.

Die Fangemeinde im Netz tobt. Sogar Holly-Marie Combs (unvergessen als mittlere/älteste Schwester Piper Halliwell) hat auf Instagram gewohnt sarkastisch und zwischen den Zeilen kundgetan, was sie vom Reboot hält: Nämlich nicht viel. Da wäre wohl gerne selbst jemand wieder an Bord gewesen.

Verständlich. Würden wir auch wollen. Denn: Das Erfolgsgeheimnis der Serie waren nicht die Storys. Nicht die Dämonen. Nicht der Wortwitz. Es waren die Schwestern, zu der wir schon in der Pilotfolge eine Verbindung hergestellt haben, die uns ganze acht Jahre lang (und, face it, so einige wirklich schlechte Drehbücher) nicht losgelassen hat. Es waren Combs, Alyssa Milano, Shannen Doherty und später auch Rose McGowan, die uns in jeder Sekunde glauben haben lassen, wir würden hier tatsächlich Schwestern beim Zanken, Schabernack treiben und Liebhaben zusehen. Schwestern, die für einander da sind, die auch ihr Leben füreinander lassen würden, und doch um ihre Unabhängigkeit, ihre Individualität kämpfen. Klar, das ginge auch in der Reboot-Serie, theoretisch. Aber selten war eine Serie besser gecastet als „Charmed“, man nahm den Schauspielerinnen das Schwestern-Sein jede Sekunde ab – nicht zuletzt, weil die Chemie (und das Drama) auch hinter den Kulissen passte (Combs und Doherty sind nicht zuletzt auch im wahren Leben BFFs, und das schon seit mehr als 20 Jahren; Milano und Doherty waren wie Schwestern, die einfach nicht miteinander konnten). Es ist unwahrscheinlich, dass man nochmal drei – bzw. vier – Schauspielerinnen findet, die das Gefühl der schwesterlichen Verbindung erneut auf derart intensive Weise an die Fans weitergeben können wie Doherty und Co. Denn das ist tatsächlich so gut wie einmalig. Oder zumindest äußerst selten.

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Ob sich die neue Serie erneut um die Halliwells drehen wird oder neue Figuren eingeführt werden, ist noch nicht bekannt – beides ist jedoch zum Scheitern verurteilt. Die allerschlechteste Idee wäre wohl, Piper, Phoebe, Paige und Prue mit neuen Darstellerinnen zu casten – die Ablehnung der Fans ist vorprogrammiert. Wer mag schon eine liebgewonnene Rolle plötzlich mit neuem Gesicht sehen?! Das hat man zuletzt in den Neunzigern (obwohl, da wäre wenigstens eine Verbindung…) in Billigsoaps wie GZSZ gemacht, wo Barbara oder Peter oder Tina ganz plötzlich ganz anders aussahen, weil die Rollen neu gecastet wurden. Das war damals schon schwer zu schlucken – und da war das TV noch nicht mal annähernd auf der Qualitätsstufe, auf der es sich heute befindet. 
 Aber auch neue Charaktere werden es schwer haben, beim Publikum (zumindest bei den alten Fans; aber auch die neue Generation entdeckt dank Netflix die Serie gerade neu) Akzeptanz zu finden. Immer wieder würde man Vergleiche zur Mutterserie ziehen – und immer wieder (ob gerecht oder nicht) würde die neue Serie den Kürzeren ziehen. Weil, nochmal: „Charmed“ ist eine Serie, die von den Figuren und der Liebe der Fans zu diesen Figuren lebte, nicht von den Storys. Auch, wenn objektiv die Rebootserie in Sachen Qualität und Originalität besser wäre – unser Herz wird immer an Piper und ihren Schwestern hängen. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Da mag kommen, was will.

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Zudem: Die Finalfolge von „Charmed“ flimmerte erst 2006 über die Bildschirme – also vor gerade mal 10 Jahren. Klar, man mag sich an dieser Stelle alt fühlen und sich fragen, wo die Zeit hinverflogen ist – aber in der TV-Welt sind 10 Jahre ein Katzensprung. Und vor allem um Welten zu früh für ein Reboot. Weil es – eben gefühlt – erst gestern war, als wir von den Halliwells Abschied genommen haben. Als das Buch der Schatten zugeschlagen wurde. Wir alle erinnern uns noch lebhaft an die lustigen, dramatischen, verrückten, bunten und immer stylischen Abenteuer der Hexenschwestern, wieso uns also neue Storys auf‘s Aug drücken? Vor allem die letzten drei Staffeln wirken auch aus heutiger Sicht immer noch sehr modern, sodass der Notwendigkeit eines Remakes noch fragwürdiger als ohnehin schon an die Oberfläche drängt. Wieso also mit aller Kraft ein Universum in den Jungbrunnen werfen, das auch heute noch frisch und munter ist? Und wie es auch in einer Beziehung ist: Es braucht Zeit, bis wir bereit für Neues sind. Vielleicht werden wir es auch nie sein. Jetzt sind wir es auf keinen Fall, weil wir immer noch an der guten alten Zeit hängen. Es ist, als würde man unsere Vergangenheit nicht ernst nehmen, sie mit Füßen treten, unsere Kindheitserinnerungen verdrängen wollen mit etwas, das moderner, zeitgemäßer, hipper ist. Aber modern schlägt eben nie nostalgisch.

Abgesehen davon: Es läge noch so viel Potenzial, die Originalserie weiterzuführen. Wir alle wissen, wie gebärfreudig die Halliwell-Schwestern sind – eine Fortsetzung unter dem Motto „Charmed: Next Generation“, die den Halliwell-Nachwuchs in den Mittelpunkt stellt, wäre also naheliegend. Auch, wenn Phoebe, Piper, Prue und Paige nicht mehr die Hauptrollen spielen würden – sie wären immerhin weiterhin Teil des Universums, der Legende. Oder man führt die Serie weiter, wo sie aufgehört hat – „Fuller House“ oder „Akte X“ hat’s gezeigt (wenn auch leider nicht immer ganz überzeugend), dass es möglich ist. Und dass vor allem die Fans immer noch an Board sind. Immer noch die Abenteuer ihrer Lieblinge mitverfolgen. Schon allein, da Doherty sich bereit erklärt hat, zurückzukehren (was sowas wie einem Weltwunder gleicht), ergäbe eine Menge an großartigen, vor allem spannenden und emotionalen, Storymöglichkeiten – das zeigt auch die offizielle Comicfortsetzung der Serie. The Power of Four statt The Power of Three?! Dramatik garantiert.

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Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, eine Serie fortzuführen, wie es derzeit der Fall ist – Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon sei Dank. Auch eine Minserie wäre möglich. Oder eine Spezial-Staffel, wie wir sie bald mit den „Gilmore Girls“ präsentiert bekommen. Und, ja nochmal (viellicht lesen diese Zeilen ja die CBS-Leute, und die scheinen manchmal schwer von Begriff zu sein): Der GESAMTE Cast hat sich bereit erklärt, zurückzukehren. Ein Cast, der – das zeigen die Sozialen Medien – immer noch äußerst beliebt ist. Wieso solch eine einmalige Möglichkeit ignorieren?! Das ist ein bisschen wie eine Ohrfeige für die Fans. Oder so, als würde Al Pacino für einen neuen „Paten“ vor der Kamera stehen wollen und man entscheidet sich stattdessen für Eugene Levy. Oder so. Man würde auf jeden Fall den Sinn des Lebens in Frage stellen.

Kurz: Ja, ich würde beim „Charmed“-Reboot reinschauen. Nein, ich wäre nicht begeistert – egal, wie sehr subjektiv das auch sein mag. In „Charmed“ ging es von Anfang an um die Familie. Und auch, wenn nicht immer alles eitel Sonnenschein war – eine Familie tauscht man nicht einfach so aus. Man hält an ihr fest.

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Alyssa Milano, Holly Marie Combs, Rose McGowan

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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