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Published on Mai 30th, 2016 | by Manuel Simbürger

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“If I wasn’t B, would you still feel me?”

Auf ihrem neuesten Meisterwerk “Lemonade” gibt Beyonce lyrische Einblicke in ihr Seelenleben – und erweitert nebenher auch den englischen Sprachgebrauch.

Ich bin jemand, der hört sehr genau drauf, was der Gesangsbarde (und Bärdin?) da so in mein Ohr trällert. Anders ausgedrückt: Lyrics bei Songs sind mir extrem wichtig. Weshalb ich mir auch mit Songs in Sprachen, die ich nicht verstehe, sehr schwer tue. Weil ich einfach nicht weiß, worum’s da eigentlich geht die ganze Zeit. Nicht, dass ich ausgelassen zu einem Song tanze, um den es eigentlich um ein Begräbnis der geliebten Omi geht.

Egal. Was ich sagen will: Ich als Lyrics-Fetischist habe das neue Beyonce-Album „Lemonade“ (ein Konzeptalbum auf höchster Qualitätsstufe) also mit offenen Armen empfangen, weil hier wie selten zuvor auf einem Musikalbum die Lyrics im Mittelpunkt, ja gar im Vordergrund stehen. Weil schließlich geht’s hier um das Zerbrechen und Wieder-Zueinanderfinden einer Liebesbeziehung (gar ihrer eigenen?!), die eigentlich alles andere hätte überschatten und überstehen sollen. Penibel genau empfindet Beyonce in ihren Songs auf dem Album die einzelnen Gefühlsphasen und -etappen nach, die der/die Betrogene durchlebt, wenn plötzlich die scheinbar so sichere Welt um einen herum zusammenbricht. Da ist man wütend, fassungslos, unsicher, orientierungslos, abgestumpft, schöpft neuen Mut, vergibt und findet erneut seinen Frieden.

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Das alles bringt Queen Bey nicht nur mit stampfenden Bässen, Clap-Beats oder mysthischen Soundwaben rüber, sondern eben auch mit Wörtern. Denn Sprache schafft ja bekanntlich auch Realität, das wusste schon Wittgenstein. Was in diesem Zusammengang wenig Sinn macht, aber ich wollte wieder mal klugscheißern, man gönnt sich ja sonst nichts.

Wie auch immer. Ich bin durch den Lyrics-Nebel von „Lemonade“ gewandelt und hab dessen beste lyrischen Ergüsse zusammengesammelt. Die erste Single-Auskopplung „Formation“ hätte eigentlich einen eigenen Artikel verdient: Da ist beinahe jede Textzeile derart symbolisch aufgeladen und weist auf die afroamerikanische Kultur und die gesellschaftlichen Missstände hin, da würde sich fast schon eine Dissertation drüber ausgehen. Und die eine oder andere Textzeile ist sogar bereits in den englischen Sprachgebrauch übergegangen: „I got a hot sauce in my bag, swag!“ (Die genaue Bedeutung muss man ja nicht immer verstehen ….)

Und da ist natürlich noch die „Becky with her good hair“ …

Hier also die besten lyrischen Ergüsse der Frau Knowles aus „Lemonade“ – Gänsehaut-Feeling, auch ohne musikalische Untermalung:

„You can taste the dishonesty
It’s all over your breath as you pass it off so cavalier
But even that’s a test
Constantly aware of it all“ (Pray you catch me)

„Nothing else ever seems to hurt
Like the smile on your face
When it’s only in my memory“ (Pray you catch me)

„I smell your secret, and I’m not too perfect
To ever feel this worthless“ (Hold Up)

„I don’t wanna lose my pride, but I’mma fuck me up a bitch“ (Hold Up)

„What’s worse, lookin’ jealous or crazy?
Jealous or crazy?
Or like being walked all over lately, walked all over lately
I’d rather be crazy“ (Hold Up)

„I am the dragon breathing fire
Beautiful mane I’m the lion
Beautiful man I know you’re lying
I am not broken, I’m not crying, I’m not crying“ (Don’t hurt yourself)

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„He better call Becky with the good hair“ (Sorry)

„Six inch heels, she walked in the club like nobody’s business
Goddamn, she murdered everybody and I was her witness“ (6 Inch)

„Daddy made a soldier out of me
Daddy made me dance
And daddy held my hand
And daddy liked his whiskey with his tea“ (Daddy lessons)

„Ten times out of nine, I know you’re lying
But nine times outta ten, I know you’re trying
So I’m trying to be fair
And you’re trying to be there and to care
And you’re caught up in your permanent emotions
All the loving I’ve been giving goes unnoticed“ (Love drought)

„If I wasn’t B, would you still feel me?“ (Love drought)

„Nine times out of ten, I’m in my feelings
But ten times out of nine, I’m only human
Tell me, what did I do wrong?
Feel like that question has been posed
I’m movin’ on
I’ll always be committed, I been focused
I always paid attention, been devoted
Tell me, what did I do wrong?
Oh, already asked that, my bad“ (Love drought)

„Every promise don’t work out that way“ (Sandcastles)

„Bitch, I scratched out your name and your face“ (Sandcastles)

„What is it about you that I can’t erase, baby?“ (Sandcastles)

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„Go back to your sleep in your favorite spot just next to me“ (Forward)

„I’m telling these tears, ‚Go and fall away, fall away‘
May the last one burn into flames“ (Freedom)

„Cause a winner don’t quit on themselves” (Freedom)

„But mama, don’t cry for me, ride for me
Try for me, live for me
Breathe for me, sing for me
Honestly guidin’ me
I could be more than I gotta be
Stole from me, lied to me, nation hypocrisy“ (Freedom)

„If you get deep, you touch my mind“ (All Night Long)

„Y’all haters corny with that Illuminati mess
Paparazzi, catch my fly, and my cocky fresh
I’m so reckless when I rock my Givenchy dress (stylin’)
I’m so possessive so I rock his Roc necklaces“ (Formation)

„I like my baby heir with baby hair and afros
I like my negro nose with Jackson Five nostrils“ (Formation)

„I got a hot sauce in my bag, swag“ (Formation)

„When he fuck me good I take his ass to Red Lobster“ (Formation)

„Cause I slay“ (Formation)

„I might get your song played on the radio station“ (Formation)

„I just might be a black Bill Gates in the making“ (Formation)

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Wer an einer tiefgehenden Analyse der „Lemonade“-Songs interessiert ist (oder von Songs anderer Künstler), sollte schnell mal auf genius.com schauen. Das öffnet einem die Augen.

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About the Author

Ich bin freiberuflicher Journalist in Österreich (I’m a freelance journalist in Austria) – und wie das bei Journalisten so ist, schreibe ich über alles (naja, fast alles) lieber als über mich selbst. In meinem Fall: Kultur, Pop, Popkultur – und alles, was dazwischen liegt. Weil man Lifestyle, Musik, Film, TV, Gesellschaftskritik, Politik und Gossip nun mal nicht trennen kann. Weil Populärkultur der Spiegel der Gesellschaft ist. Und weil ich als Journalist der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will. Man könnte auch sagen: Popkultur mit Niveau. Infotainment vom Feinsten.



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